Zeichnungen

21. Februar 1983, NRZ » Originalartikel öffnen

Staunen über Alfred Grimm:
„Ist das ein toller Zeichner“

Friedrichsfeld. Alfred Grimm, vor wenigen Monaten mit seinen „witzig-verfremdeten Umwelt-Objekten“ einer der meistbeachteten Künstler auf der Ruhrgebiets-Ausstellung im Oberhausener Schloß, wird seit gestern von Edda und Ulrich Müller in deren Galerie „Kunstgiebel“ vorgestellt. Diesmal allerdings ausschließlich mit Zeichnungen und Aquarellen. Edda Müller-Focken (Kunsterzieherin und Galeristin): „Ich hatte ja keine Ahnung, was für ein toller Zeichner das ist!“

In der Tat möchte man vor allem Alfred Grimms Zeichnungen breite Beachtung wünschen. Zwar sind sie insgesamt in der Minderzahl – aber welch sparsame Sicherheit im meist weit ausästelnden und raumgreifenden, nervösen Strich! Hier erkennt man die andere, hochsensible Seite des Beuys-Schülers und „gestandenen Bürgerschrecks“! Die überwiegend botanischen Motive (hauchzart in den Bildraum gestellte und geschickt arrangierte Blütenstände unterschiedlicher Pflanzen) wirken gleichermaßen kraftvoll und zerbrechlich. Sparsam und höchst eigenwillig mit kaum mehr als zwei Wasserfarben laviert, sind sie labile Momentaufnahmen des Vergänglichen und Gefährdeten in unserer technisch beherrschten Welt. Die kleinen, eher von der Farbe her konzipierten Aquarelle stammen aus einer Art malerischem „Tagebuch“. In ihrer Farbigkeit sind sie plakativer, von den Motiven her sicher vordergründiger. Aber auch sie legen Zeugnis ab von einem wachen und irritierbaren Auge, von einer starken optischen Kraft, die rasch und sicher den Dingen ihr Maß aufzwingt. Hoffentlich wird man Grimm nach dieser Ausstellung, die bis zum 17. März zu besichtigen ist, nun auch bei uns mit beiden Augen sehen.
Dieter G. Eberl