Torten

06. Dezember 1989, Rheinische Post » Originalartikel öffnen

Grimms Torten zeigen „Ein schönes Stück Deutschland“

Alfred Grimms Kuchen, Kunst und Kruzifixe kann man nun in aller Ruhe und Muße betrachten, abseits der drangvollen Enge am Eröffnungstage. Etwa 75 Objekte, darunter viele, die in diesem Jahr entstanden sind, werden in der Ausstellung im Atelier des Künstlers „An den Höfen 13“ in Hünxe-Bruckhausen gezeigt. Darunter befinden sich auch die Kruzifixe, in denen Grimm ein altes theologisches Thema der Kreuzigung zeitgemäß und in ungewöhnlicher Interpretation gestaltet. Ebenfalls werden einige Kuchenstücke aus der inzwischen über 60 Teile umfassenden Reihe der Tortenvariationen „Ein schönes Stück Deutschland“ gezeigt, in denen aus deutschen Landschaften und Städten Typisches, Charakteristisches und immer wieder Sehenswertes verarbeitet wird. Wer die wohl teuersten Tortenstücke Deutschlands betrachten und die neuen Zeichnungen Grimms, die das Thema „Selbstbildnis“ ausdrucksstark varrieren, sehen will, kann dies bis Sonntag, 10. Dezember, täglich von 16 bis 19 Uhr in Bruckhausen tun.

23. Februar 1991, Elmshorner Nachrichten » Originalartikel öffnen

Neue Ausstellung beim Kunstverein Elmshorn

Beuys-Schüler Grimm bietet teuerste Torte Deutschlands

Elmshorn. Die teuerste Torte Deutschlands, noch dazu nur mit den Augen, nicht aber mit dem Gaumen genießbar, präsentiert der niederrheinische Künstler Alfred Grimm ab Montag, 25. Februar, 20 Uhr, in einer Ausstellung des Elmshorner Kunstvereins im Torhaus. Der Beuys-Schüler ist bekannt dafür, mit eigenwilligen, auch spektakulären künstlerischen Mitteln aufmerksam zu machen, auf drückende Probleme des Alltags und unserer Umwelt.

Die Natur steht fast immer als Bezugspunkt im Vordergrund der Zeichnungen, Malereien, Objekte des Künstlers. Zivilisatorische Einflüsse sind Kritikpunkte seiner Werke, die er mit einfachen Mitteln gestaltet: Blei- und Buntstifte, Aquarell- und Wasserfarben, Fundstücke von Schrotthalden oder Flohmärkten, die manchen Betrachter die Frage nach Kunst oder Recycling aufwerfen lassen.

Beispiel: Die Landschaft in der Kloschüssel, die geradezu darum fleht, nicht weggespült zu werden. Oder: Der kranke Schwarzwald auf dem Operationstisch. Grimm will nicht ästhetische Empfindungen befriedigen, sondern durch Provokation Anstöße vermitteln. Das Gelingen wurde ihm in vielen Ausstellungen im In- und Ausland bestätigt, selbst im direkten Vergleich mit Konkurrenten auf so renommierten Kunstmärkten wie der „Art“ in Brüssel oder auch in New York.

Zu den von manchen als skurril empfundenen Ideen gehören auch eine „Landschaft in der Bratpfanne“ oder ein „Zwei-Minuten-Ruhrgebiet“ mit den typischen Merkmalen des Reviers im Gehäuse eines alten Fernsehapparates, natürlich in Bild und Ton. Und selbstverständlich die Tortenstücke aus unterschiedlichen Materialien auf Porzellantellern präsentiert als ein Stück Nord- und Ostsee, Odenwald, Hamburg oder Lüneburger Heide, pro Portion für 700 Mark …

Bis zum 16. März ist die Ausstellung im Elmshorner Torhaus zu besichtigen, dienstags bis freitags zwischen 10 und 12 Uhr sowie 16 und 18 Uhr, sonntags zwischen 11 und 13 Uhr. Ein begleitender Bestandskatalog mit Schwarz-Weiß- und Farbabbildungen wird angeboten und ein Variationsobjekt „Autolackiererei“ in Auflage von nur 25 Stück.

Auf professorale kunsthistorische Betrachtungen mit (bestelltem) Schulterklopfen zur Ausstellungseröffnung will Grimm übrigens verzichten. Stattdessen bietet er dem Elmshorner Publikum eine eigene Interpretation seiner Arbeiten und eine Einordnung seiner künstlerischen Tätigkeit abseits vom Hauptberuf Gymnasiallehrer an, wie sie im Freundeskreis am Niederrhein immer schon mit großer Spannung erwartet werden.

06. April 1993, Oberbergische Volkszeitung » Originalartikel öffnen

Alfred Grimm stellt im Hesperter Kabinett aus

Tortenstücke zeigen ein „schönes“ Deutschland

gar. Hespert. „Landschaften, Kreuzigungen, Torten, Objekte und Bilder“ lautet der Titel einer ungewöhnlichen Kunstausstellung, die am Sonntag Reichshofs Bürgermeister Josef Welter im Hesperter Kunst Kabinett eröffnete. „Sehen Sie einfach hin und versuchen Sie zu ergründen, was der Künstler mit seinem Werk sagen will“, ermunterte Welter die zahlreichen Gäste, sich auf die kritischen Arbeiten Grimms einzulassen.

Dem Konsumenten „leicht verdaulicher“ Kunst mögen die aufrüttelnden Arbeiten des 1943 geborenen Beuys-Schülers auf den ersten Blick befremdlich vorkommen: Seine Tortenstücke aus der Serie „Ein schönes Stück Deutschland“, Installationen wie die „Schwarzwaldklinik“ oder der genetisch manipulierte Embryo im Kinderwagen sollen die Betrachter zu kritischem Denken anregen. In der Vergangenheit wurden seine Kruzifixe schon als „ekelhaft“ oder „unerhört“ beschrieben.

In einer Ecke des Kunst Kabinetts liegt Christus in der perfekt nachgebauten Gosse, beim nächsten Regenschauer Gefahr laufend in den Gully gespült zu werden.

„Ist das der Standpunkt Gottes in unserer Gesellschaft?“ könnte die Frage hierzu lauten. Der vielschichtig und hintergründig arbeitende Alfred Grimm will Kirche und Christentum nicht verteufeln. Im Gegenteil, die Betrachter seiner Kunst sollen aufgerüttelt werden.

Bekannt wurde der Josef-Beuys-Schüler, der von 1964 bis 1970 an der Kunstakademie Düsseldorf studierte, durch Ausstellungen in seiner westfälischen Heimat. Auch in einer New Yorker Galerie stellte er schon aus. Den kunstinteressierten Oberbergern ist Grimm kein Unbekannter: Mit seiner Ausstellung 1986 im Foyer des Gummersbacher Theaters erregte er einiges Aufsehen.

Die ungewöhnliche Osterausstellung in den Räumen des Kunst Kabinetts Hespert können sich Kunstinteressierte noch bis zum 9. Mai ansehen. Sie ist täglich, außer montags, von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Für Gruppen und Schulklassen besteht die Möglichkeit, die Ausstellung auch vormittags nach telefonischer Absprache zu besichtigen unter Rufnummer 02265/9300 und 9289.