Mahnsteine

25. August 2011, NRZ » Originalartikel öffnen

Mahnsteine für Dinslaken

Alfred Grimm plant Erinnerung an jüdische Geschäfte in der Innenstadt

Bettina Schack

Dinslaken. Mit ihren Geschäften mitten in der Innenstadt waren sie fest im Dinslakener Leben verwurzelt. Man kaufte Anzüge und Krawatten bei den Geschwistern Salomon. auf der Neustraße oder einen neuen Hut bei Hermann Eichengrün. Brauchte man einen Installateur, rief man Julius Isaacson und mit den Angeboten im Kaufhaus von Siegfried Bernhard konnte man seine komplette Wohnung einrichten. Die Genannten gehörten zur Dinslakener Geschäftswelt, wie viele ihrer jüdischen Glaubensgenossen. Bis die Nazis die Macht ergriffen und Vertreibung und Tod brachten.

Erst in den letzten Jahren wurden Grundbesitz und Einzelhandelstätigkeiten jüdischer Bürger in Dinslaken wissenschaftlich aufgearbeitet und dokumentiert. Nun soll die Erinnerung an sie wieder im Stadtbild sichtbar werden. 20 Jahre nach der Einweihung des bronzenen Mahnmals im Stadtpark plant Alfred Grimm die Realisierung von Mahnsteinen in der Innenstadt. Kleine Mahnmale aus Stein und Bronze, die an die jüdischen Mitbürger von einst in ihrem beruflichen Kontext erinnern, Orte von zwei Metern mal 70 Zentimetern Fläche, die mit Sitzsteinen zum Verweilen einladen, lebendige Orte der Erinnerung, neue Stationen des Skulpturenwegs.

Die Mahnsteine – jedes dreiteilige Ensemble wird mit Kosten in Höhe von 7500 Euro veranschlagt, soll ausschließlich aus Sponsorengeldern und privaten Spenden finanziert werden. Das Projekt wird vom Kulturkreis Dinslaken betreut und von der Verwaltung begleitet. Die Kirchen sind mit eingebunden. Gestern stellte Alfred Grimm Idee und Geschichte gemeinsam mit dem Leiter des Fachdienstes Kultur Klaus-Dieter Graf und der Vorsitzenden des Kulturkreises Gabriele Scholz der Öffentlichkeit vor.

Gedenkjahr 2013

Die Idee wuchs seit 2007, bereits 2008 zeichnete Alfred Grimm einen ersten Entwurf. Damals verlief das Projekt im Sande, doch der Gedanke blieb bei Museumsleiter Dr. Peter Theissen und Stadtarchivarin Gisela Marzin wach. Nun ist das Jahr 2013 anvisiert. Dann jähren sich das Gedenken an 80 Jahre Machtergreifung und 75 Jahre Pogromnacht, der „Judenkarren“ im Stadtpark erinnert seit 20 Jahren an das Schicksal der jüdischen Gemeinde Dinslaken.

Sieben mögliche Orte für die Aufstellung hat Alfred Grimm gemeinsam mit Jürgen Grafen erarbeitet. Sie sollen heute der Feuerwehr vorgelegt und auf ihre Machbarkeit geprüft werden. Zwei Mahnsteine sind bislang durch Sponsoren finanziert, Alfred Grimm hofft auf die Realisierung von insgesamt vier Plastiken im Bereich Neustraße und Altstadt.

Grimms Mahnsteine sind derzeit nicht das einzige dauerhafte Projekt, mit dem sich der Dinslakener Arbeitskreis „Gegen das Vergessen“ beschäftigt. Wie gemeldet wird Anne Prior einen Verein gründen, der die Verlegung von „Stolpersteinen“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig auch in Dinslaken verwirklichen möchte.

Mahnsteine, Stolpersteine oder beides? Im Bereich der Neustraße wird es zu Überschneidungen kommen. Klaus-Dieter Graf gibt sich zuversichtlich, im Arbeitskreis habe man bislang zu einem harmonischen Miteinander gefunden.

Alfred Grimm nennt das doppelte Engagement „eine unglückliche Entwicklung“, spricht sich bei den konkreten Fällen für ein Entweder-Oder aus. Seine Plastiken beinhalten ebenso wie die „Stolpersteine“ Platz für Gravuren, in denen dem dokumentarischen Aspekt des Gedenkens Rechnung getragen wird.

Kommentar:
Bausteine des Gedenkens

Bettina Schack

Mahnsteine, Stolpersteine. So ist das in Dinslaken: Jahrelang passiert nichts, und dann werden innerhalb von nur einer Woche gleich zwei Konzepte zur Erinnerung an das jüdische Leben in Dinslaken vorgestellt. Ein unglückliches Konfliktpotenzial ausgerechnet bei einem derart wichtigen wie sensiblen Thema? Nur auf dem ersten Blick.

Da sind auf der einen Seite die Mahnsteine von Alfred Grimm. Plastiken aus Stein und Bronze. Sie erinnern an die jüdischen Mitbürger nicht als Opfer, sondern als aktive Teilhaber am Dinslakener Arbeits- und Geschäftsleben. Kleine Gedenkstätten vor ihren früheren Geschäften, die mit ihren jeweils zwei Sitzsteinen bewusst und ausdrücklich einladend sind – eine lebensnahe Ergänzung zum 18 Jahre alten Mahnmal, das den Betrachter mit der „Täterperspektive“ verstört.

Doch gerade in der Größe liegt die Einschränkung: nur eine Handvoll Mahnsteine wird es geben. Hier werden Gunter Demnigs deutschlandweit vertretene Stolpersteine wichtig: Sie können die umfassende Dokumentation auf Dinslakens Straßen gewährleisten, nicht nur für die jüdischen Mitbürger, sondern für alle Opfer der Nationalsozialisten. Mahnmal, Mahnsteine und Stolpersteine fügen sich so zu einem Gesamtkonzept zusammen. Und das kann Dinslaken in Sachen Aufarbeitung und Erinnerung vorbildlich werden lassen.

25. August 2011, Rheinische Post » Originalartikel öffnen

Mahnen mit Bronze und Stein

Erinnerungsstätten für jüdische Bürger will der Künstler Alfred Grimm in der Dinslakener Innenstadt schaffen. Geplant sind Plastiken aus Stein und Bronze. Die ersten vier will er auf der Neu- und Duisburgerstraße aufstellen.

Von Ralf Schreiner

DINSLAKEN. Erinnerungsarbeit kann mehr sein als Dokumentation. Alfred Grimm versteht seine Mahnsteine als „lebendige und sinnlich wahrnehmbare Plastiken“. Sie sollen Auskunft geben über den Wohnbereich jüdischer Bürger in Dinslaken und zugleich über den Beruf informieren, den diese Menschen ausgeübt haben, bevor sie von den Nazis vertrieben und ermordet wurden. Die Kosten pro Mahnsteinensemble belaufen sich auf 7500 Euro. Darin enthalten sind der Kauf der Steine, der Bronzeguss, Transport und Honorar. Finanziert werden die Gedenkstätten über Spenden und Sponsoren, die Stadt gibt kein Geld. „Die Anschubfinanzierung für zwei Mahnsteine steht“, sagte Alfred Grimm gestern im Pressegespräch.

In Ruhe betrachten

Jedes Kunstwerk besteht aus einem dreiteiligen Ensemble aus Basaltsteinen, von denen der mittlere als Bronzeplastik gestaltet wird. Die beiden flankierenden Steine dienen als Sitzgelegenheiten, von denen aus der Betrachter das Werk mit seinen bildlichen und textlichen Aussagen auf sich wirken lassen kann. Alfred Grimm arbeitet nicht abstrakt. Wie schon beim jüdischen Mahnmal im Stadtpark und der „Baustelle“ vor den Stadtwerken kommt es ihm darauf an, dass die Mahnsteine ihre Botschaften anschaulich transportieren.

Anschubfinanzierung steht

Der für Herrmann Eichengrün, der an der Duisburgerstraße 8, gegenüher der Stadtücherei, ein Hutgeschäft betrieben hat, zeigt einen in Bronze gegossenen Hut und ebensolche Handschuhe. In die Plastik für den Installateur Julius Isaacson, der sein Geschäft an der Eppinghovener Straße 4 hatte, hat Grimm Wasserhahn und Abflussrohr eingearbeitet. Jeder Mahnstein erhält neben diesen „plastischen Durchformungen“, wie es der Künstler nennt, eine Bronzetafel mit Angaben zum Lebenslauf desjenigen an den erinnert wird.

Geplant sind zunächst vier Gedenksteine, die bis 2013 auf der Neu- und Duisburger Straße aufgestellt werden sollen. 2013 ist auch für Dinslaken ein besonderes: Hitlers Machtübernahme jährt sich zum 80. Mal, die Reichspogromnacht zum 75. Mal. Hinzu kommt, dass das Mahnmal im Stadtpark, das Alfred Grimm zur Erinnerung an das Schicksal der von den Nazis vertriebenen Juden geschaffen hat, vor 20 Jahren eingeweiht wurde. Diese Gedenktage waren es auch, die Gisela Marzin (Stadtarchiv) und Dr. Peter Theißen (Museum Voswinckelshof) bereits 2007 auf die Idee brachten vor Wohnhäusern in der Dinslakener Innenstadt „plastische Gedenkstätten zu jüdischem Leben“ zu errichten. Das Projekt wurde damals nicht weiter verfolgt.

Neuer Anlauf

Anfang dieses Jahres gab Alfred Grimm einen neuen Anstoß, konkretisierte das Ganze mit Skizzen und Details zu Planung und Aufbau – und hatte Erfolg. Rat und Verwaltung der Stadt Dinslaken sind im Rahmen des Projekts „Wider das Vergessen“, der auf das Gedenkjahr 2013 hinarbeitet, in das Vorhaben eingebunden. Die beiden christlichen Kirchen, die schon 1993 dafür gesorgt haben, das Mahnmal zu verwirklichen, unterstützen jetzt auch die Mahnsteine. Der Ausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit und die jüdische Gemeinde Oberhausen/Duisburg beteiligen sich an dem Vorhaben. Der Kulturkreis Dinslaken wird das Projekt vertraglich abwickeln.
www.rp-online.de/dinslaken

Sieben Standorte möglich

DINSLAKEN (ras). Für die Aufstellung der Steine sind bislang sieben mögliche Orte im Gespräch. Neben den beiden genannten kommen in Frage: Neustraße 7 (Erinnerung an Richard und Berta Salomon), Neutraße 15 (Bernhard Davids), Brückstraße 1 (Josef und Julius Jacob), Neutraße 70/Friedrich-Ebert-Straße 47 (Siegfried Bernhard), Neustraße 50 (Rudolf Hellmann).

Ob die Mahnsteine tatsächlich dort zu stehen kommen, ist nicht nur eine Frage des Geldes. Die zwei Meter breiten und 70 Zentimeter tiefen Kunstwerke dürfen keine Zufahrten für Rettungsfahrzeuge blockieren. Für die Aufstellung ist eine Sondernutzungsgenehmigung der Verwaltung notwendig. Außerdem sollten sie nicht unbedingt dort installiert werden, wo der Kölner Künstler Gunter Demnig seine „Stolpersteine“ verlegen wird. Wie berichtet, will ein Initiativkreis um Buchändlerin Anne Prior mit diesen Steinen auf deren Oberfläche eine Messingtafel mit Namen, Geburts- und Todesdatum angebracht ist an die Dinslakener Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft erinnern.

Klaus-Dieter Graf, in der Stadtverwaltung Leiter des Geschäftsbereichs Bildung, Kultur, Freizeit und Sport, erklärte, dass sich der Arbeitskreis „Gegen das Vergessen“ und der Verein Stolpersteine sicherlich „in harmonischem Miteinander“ darauf verständigen werde, wo Stolper- und wo Mahnsteine an die Dinslakener Juden erinnern sollen.

„Man kann das eine machen, ohne das andere zu lassen“, sagte Graf. In den Mahnsteinen sieht er auch eine gelungene Erweiterung des Dinslakener Skulpturenwegs. „Die Steine haben einen direkten Bezug zum Mahnmal“, fügte Künstler Alfred Grimm hinzu. „Und sie erinnern an die Juden ohne drohenden Zeigefinger.“

INFO

Bronzeguss

Die Plastiken wird Alfred Grimm bei der Bronze- und Kunstgießerei Butzon & Becker in Kevelaer in Auftrag geben.

Das Unternehmen hat bereits Grimms „Baustelle“ und die Gedenkstätte für Schwester Euthymia am Vinzenz-Hospital in Dinslaken realisiert.

31. August 2011, NRZ » Originalartikel öffnen

Erinnern auf der Shoppingmeile

Die „Mahnsteine“ des Hünxer Künstlers Alfred Grimm sollen in der Dinslakener City an jüdische Einzelhändler erinnern

Bettina Schack

Dinslaken. Ein Leiterwagen voller Schuhe, Taschen, Kleidung und Knochen durchbricht eine Mauer, davor klafft ein Loch in einer mannshohen Wand: die hohle Silhouette eines SS-Wachmanns. Seit 1993 erinnert das bronzene Mahnmal des Hünxer Künstlers Alfred Grimm an das Schicksal der jüdischen Gemeinde Dinslakens, zwischen Rathausvorplatz und Stadtpark, in unmittelbarer Nähe des früheren jüdischen Friedhofs, wo heute Autos in einem großen, zentralen Kreisverkehr ihre Runden drehen.

Dinslaken tat sich jahrzehntelang schwer, sich mit seiner braunen Vergangenheit auseinander zusetzen. Und so erinnert sich Alfred Grimm heute noch gut daran, wie der damalige Superintendent Ulrich Bendokat bei der Einweihung des Mahnmals überraschend forderte, die Besitzverhältnisse jener Immobilien zu klären, die vor Tod und Vertreibung jüdischen Dinslakenern gehörte.

Verein zur Verlegung von Stolpersteinen

Seitdem ist in Dinslaken viel geforscht, aufgearbeitet, publiziert worden. Von Privatpersonen wie der Buchhändlerin Anne Prior, die derzeit einen Verein zur Verlegung von „Stolpersteinen“ des Künstlers Gunter Demnig gründet, von der städtischen Seite durch die Stadtarchivarin Gisela Marzin und Museumsleiter Dr. Peter Theissen. 2008 erschien das Buch „Nationalsozialismus in Dinslaken und seine Nachwirkungen“, die derzeit ausführlichste Publikation zur Aufarbeitung der. NSZeit in Dinslaken. Zudem ist im Archiv ein Plan der Innenstadt erhältlich, in dem Immobilien in jüdischen Besitz vor 1938 in einem aktuellen Luftbild der Fußgängerzone und Umgebung verzeichnet sind.

Hier setzt ein neues Projekt an, das Alfred Grimm, der Kulturkreis Dinslaken und der Leiter des städtischen Fachdienstes Kultur, Klaus-Dieter Graf, vorige Woche vorstellten: Entlang der Dinslakener Fußgängerzone sollen „Mahnsteine“ an das jüdische Geschäftsleben vor der Machtergreifung der Nazis erinnern. „In plastischer, sinnlicher Präsenz“, wie es Grimm formuliert. Sieben mögliche Aufstellungsorte werden derzeit auf ihre Machbarkeit hin überprüft, vier Mahnsteine sollen nach dem Wunsch des Künstlers realisiert werden.

Für zwei der 7500 Euro teuren und etwa zwei Meter mal 70 Zentimeter großen Ensembles ist die Finanzierung bereits gesichert: sie soll ausschließlich aus privater Hand erfolgen, die Stadt begleitet das Projekt. Unterstützt werden die Mahnsteine aus dem Dinslakener Arbeitskreis „Gegen das Vergessen“, den Kirchen vor Ort und der jüdischen Gemeinde Oberhausen/Duisburg.

Alfred Grimm studierte bei Joseph Beuys, wurde als Objektkünstler bekannt. Einer, der mit scheinbar unbedeutenden Alltagsgegenständen in der Lage ist, klare, manchmal provozierend deutliche Inhalte und Aussagen zu transportieren. In der evangelischen Kirche Hünxe-Bruckhausen füllte er ein von ihm entworfenes Glasfenster unter anderem mit Getreidekörnern und Star-Wars-Figuren, für Dinslaken schuf er neben dem „Judenkarren“ der an die Verbrechen in der Pogromnacht erinnert, und dem Denkmal für Schwester Euthymia eine täuschend echte Straßenbaustelle, die das Grab eines toten Soldaten freilegt.

Bronzener Wasserhahn für den Installateur

Die Mahnsteine sollen direkten, lebendigen Bezug zu denen aufnehmen, an die sie erinnern: in Bronze gegossene Handschuhe und Hüte für das Hutgeschäft, das einst gegenüber der heutigen Stadtbibliothek stand, ein bronzener Wasserhahn für den Installateur in der Altstadt. Flankiert werden die Mahnsteine aus Basalt mit ihren Bronzeapplikationen von jeweils zwei kniehohen Sitzsteinen. Sie laden zum Verweilen ein, zum Innehalten auf Dinslakens Shoppingmeile, die vor 1933 von jüdischen Einzelhändlern mitgeprägt wurde.

Orte der Erinnerung, keine zwei Quadratmeter gorß, aber mitten im Alltagsleben an ein zerstörtes Alltagsleben erinnernd. „Ohne erhobenen Zeigefinger“, wie Grimm betont, künstlerisch gestaltet, über das rein Dokumentarische hinausgehend, ein wenig Zeit einfordernd. Zu den berufsbezogenen, plastischen Stillleben, gehören Bilderrahmen, die über die jüdischen Geschäftsleute, deren hier gedacht wird, informieren. Die ersten Mahnsteine sollen 2013 aufgestellt werden. 20 Jahre nach der Einweihung des „Judenkarrens“ und 75 Jahre nach der Pogromnacht.

31. August 2011, Niederrhein Anzeiger » Originalartikel öffnen

Grimms Mahnstein

Alfred Grimm will vier Mahnsteine zum Gedenken an die jüdische Bevölkerung in der Dinslakener Innenstadt aufstellen:

DINSLAKEN. Schon seit Jahren wird in verschiedenen Gremien über Mahnmale, die an die jüdische.Bevölkerung Dinslakens erinnern sollen, nachgedacht. Mittlerweile hat Alfred Grimm zwei Wachsmodelle seiner „Mahnsteine“ fertig gestellt. Zwei weitere folgen. Sie sollen vor den ehemaligen Häusern der jüdischen Bewohner aufgestellt werden und weisen auf deren Berufe hin. Angedacht ist, bis 2013 vier Gedenksteine in der Neustraße und der Duisburger Straße aufzustellen. Die Mahnsteine sind etwa zwei Meter breit, 70 Zentimeter tief und 95 Zentimeter hoch. Auf einem Basaltstein steht eine Bronze mit Symbolen des Berufes, den die jüdischen Bewohner ausgeübt haben, dazu ein kleines Hinweisschild. Umrahmt wird das Kunstwerk von zwei Sitzsteinen. Die Finanzierung für zwei Kunstwerke ist bereits gesichert und wird ausschließlich von Sponsoren geleistet. Alfred Grimm kalkuliert mit 7500 Euro pro Skulptur.
Die Abwicklung des gesamten Projektes hat der Kulturkreis Dinslaken übernommen. Unterstützt wird das Vorhaben von den beiden christlichen Kirchen. Beteiligt sind auch der Ausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit und die jüdische Gemeinde in Oberhausen/Duisburg. Alfred Grimm hat für seine vier Mahnsteine sieben Aufstellungsflächen auf der Neustraße und der Duisburger ins Auge gefasst. Nun will er mit der Feuerwehr klären, welche davon für seine vier Mahnsteine infrage kommen.

Hu/Foto: Kunkel

25. Januar 2012, Niederrhein Anzeiger » Originalartikel öffnen

Dinslakener Mahnsteine

Unsere Stadt stellt sich der braunen Vergangenheit und erinnert an das große Leid seiner jüdischen Einwohner

Traurige Gedenktage 2012: · 1933 / 80 Jahre Machtergreifung Hitlers · 1938 / 75 Jahre Reichprogromnacht und · 1993 / 20 Jahre Einweihung des Dinslakener Mahnmals.

Von Caro Dai

DINSLAKEN. Der schwarze schwere Leiterwagen rechts vor dem Rathaus erinnert an die unmenschliche Vertreibung u.a. der Kinder des jüdischen Waisenhauses in Dinslaken 1938, die mit nackten Füßen in der Kälte stehend, mit Ansehen mußten, wie ihr Zuhause verwüstet wurde, um dann auf einem Leiterwagen durch die johlende Menge zum Abtransport ins KZ gezwungen zu werden. Beschimpft und verhöhnt mußten die größeren Kinder die Kleineren zum Bahnhof ziehen. Was waren das für Menschen, die sich auch an den Schwächsten vergriffen haben, elternlosen Kindern das Zuhause zerstörten und sie wie Vieh in die Vernichtungslager trieben?

Diese Frage steht für immer im Raum auch für uns Nachgeborene hier in Dinslaken. Und wie wichtig es ist, auf dem rechten Auge eben nicht blind zu sein, beweisen die Untaten des Nationalsozialistischen Untergrundes der sogenannten Zwickauer Terrorzelle, deren Mitglieder über 10 Jahre unendeckt „Nichtdeutschstämmige“ und eine Polizistin ermorden konnten. Unerkannt wohl auch deshalb solange, weil niemand sich vorstellen konnte, dass brauner Terror heute überhaupt noch existiert.

Runder Tisch

Dinslaken stellt sich nicht nur durch diese aktuellen Ereignisse alarmiert, seiner gesellschaftspolitischen Verantwortung: Ein „runder Tisch“ unter Einbindung von Stadtarchiv, Museum, den ev. und kath. Kirchen, dem Ausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der Israel-AG des Theodor-Heuss-Gymnasiums und der jüdischen Gemeinde Oberhausen-Mülheim bereitet seit einigen Jahren Aktivitäten zu den anstehenden Gedenktagen vor. Den Vorsitz hat Dinslakens neue 1. Beigeordnete Christa Jahnke-Horstmann übernommen.

Auch Leiterwagen-Mahnmal-Schöpfer Alfred Grimm ist es eine Herzenssache wieder dabei zu sein. Vier seiner Entwürfe zur Erinnerung an Dinslakens jüdische Einwohner sind in Auftrag gegeben und z.T. schon realisiert: So erinnert die Bronze „Putzmacherin“, das vor der Duisburger Straße 8 (heute Jack Wolfskin gegenüber der Stadtbücherei) aufgestellt werden soll, an das Hut- und Putzmachergeschäft von Hermann Eichengrün.

Jüdisches Leben in DIN

Weitere Mahnsteine Grimms sollen einmal vor der heutigen Santander-Bank (Eckhaus Neustraße/Friedrich-Ebert-Str.) an das Kaufhaus Siegfried Bernhard erinnern, welches Wohnungseinrichtungen, Küchen, Bettwäsche, Stiefel, Gardinen und Damen- und Herrenbekleidung führte. Auch an der Brückstraße 1, wo heute Rahmen und Drucke verkauft werden, wird ein Mahnstein an die Viehhändler Josef und Julius Jacob erinnern. Und an der Eppinghovern Str. 4 (heute eine Physiotherapie-Praxis) wird des Installateurs Julius Isaacsons gedacht werden. Dieser Mahnstein ist ebenfalls schon fertig. Die Mahnsteine werden jeweils auch von zwei Sitzsteinen umrahmt sein und auch von den Schicksalen derer erzählen, an die sie erinnern.

WDR-Film am 27. 1. 12

Ein Team des WDR hat einen Film-Bericht über die Entwicklung der „Mahnsteine“ in Dinslaken und auch deren Abguss und die Realisierung in der Bronzegießerei Butzon und Becker Kevelaer gemacht. Zu sehen am „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ (siehe lnfokasten) am Freitag, 27. Januar, in der „Lokalzeit Duisburg“ zwischen 19.30 und 20 Uhr im WDR-Fernsehen.

27. Januar:

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein staatlicher Gedenktag: Der Tag erinnert an alle Opfer des Nationalsozialismus: Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiter und an die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden. Die Vereinten Nationen erklärten den 27. Januar im Jahr 2005 zum internationalen Holocaust-Gedenktag. Der 27. Januar ist kein Feiertag im üblichen Sinn. Er ist ein „DenkTag“: Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft.

25. Januar 2012, NRZ » Originalartikel öffnen

Erinnerung in Bronze gegossen

Die Mahnsteine für jüdische Geschäftsleute in Dinslaken von Alfred Grimm nehmen in Kevelaer Gestalt an

Bettina Schack

Dinslaken. Gerade einmal 60 Sekunden dauert der eigentliche Guss, der übers Gelingen entscheidet: Dann wird die Form aus verstärktem Silikon abgeschlagen und die Bronze liegt goldig schimmernd offen. Ein großer Augenblick für jeden Künstler.

Am Montag war es Alfred Grimm, der in der Werkstatt von Butzon und Bercker in Kevelaer voller Spannung verfolgte, wie die Bronzeteile seines Mahnsteins „Putzmacherin“ gegossen und aus der Form geschlagen wurden. In sechs Einzelteile wurde sein Wachsentwurf zerlegt, die einzelnen Teile Hut, Schal, zwei Handschuhe, ein Band und der Träger in einer Form aus Silikon gehüllt und herausgeschmolzen, der Hohlraum – um Material und Gewicht zu sparen – mit Schamott gefüllt und schließlich mit Bronze ausgegossen. Die einzelnen Teile werden zusammengeschweißt. „Die Griechen konnten ihre antiken Plastiken nur nieten, das heutige Verfahren hält bestens und die Schweißnähte sind nicht erkennbar“, erklärt Grimm.

2013 ist dreifaches Gedenkjahr

Die Mahnsteine – neben der der „Putzmacherin“ ist der des „Installateurs“ durch Sponsorengelder finanziert und kann realisiert werden – sind nicht die ersten Großplastiken von Grimm, die die Werkstatt verlassen. Die „Baustelle“ und das Denkmal für Schwester Euthymia wurden ebenfalls dort gegossen.

Bis die Mahnsteine unter Federführung des Kulturkreises übergeben werden, verstreichen noch 20 Monate. 2013 gedenkt Dinslaken 80 Jahre Machtergreifung, 75 Jahre Pogromnacht und der Einweihung des Mahnmals vor 20 Jahren. Nun also die Mahnsteine, die jüdischer Dinslakener weniger als Opfer, sondern als prägende Mitglieder des Geschäftslebens erinnern.

Die Mahnsteine mit ihren mit langen Eisenstiften diebstahlgesicherten Bronzeapplikationen sind circa 80 Zentimeter hoch. Flankiert werden sie zu beiden Seiten von niedrigeren Steinen, die zum Verweilen einladen. Die „Putzmacherinnen“-Plastik soll am 9. November 2013 auf der Duisburger Straße im Bereich des Bürgerbüros enthüllt werden, in räumlicher Nähe des ehemaligen Hutgeschäftes von Hermann Eichgrün.

In der Altstadt erinnert der zweite bereits finanzierte Mahnstein vor der Eppinghovener Straße 4 an den Installateur Hermann Eichengrün.

Sponsoren gesucht

Derzeit ist Alfred Grimm auf Sponsorensuche für zwei weitere, mit jeweils 7500 Euro kalkulierte Mahnsteine: Für die Viehhändler Josef und Julius Jacob an der Stadtkirche gegenüber der Brückstraße 1 und für Siegfried Bernhard, der im Eckhaus an der Neustraße, in dem sich heute die Santander-Bank befindet, ein Kaufhaus für Möbel, Küchen, Heimtextilien und Herrenbekleidung führte. Ursprünglich wollte Alfred Grimm auch auf der Neustraße Mahnsteine errichten. Doch bislang gibt die Polizei wegen eingeschränkter Flucht- und Rettungswege keine Erlaubnis.

Seine Mahnsteine, die zweite Auseinandersetzung mit den Opfern des Nationalsozialismus nach dem „Judenkarren“ in der Innenstadt, betrachtet Alfred Grimm im harmonischen Einklang mit den „Stolpersteinen“, die Gunter Demnig ab dem 7. Februar im Stadtgebiet verlegt.

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Grimm gießt zwei Mahnsteine

Mahnsteine für jüdische Bürger will der Künstler Alfred Grimm in der Dinslakener Innenstadt schaffen. Die Bronzegüsse für zwei der vier Plastiken sind fertig. 2013 werden sie auf der Neu- und Duisburger Straße aufgestellt.

Von Ralf Schreiner

DINSLAKEN Alfred Grimm vertraut auf Butzon und Bercker. Die Kunstgießerei in Kevelaer hat für ihn bereits zwei große Bronzearbeiten gefertigt: die „Baustelle“ vor dem Sitz der Stadtwerke und die Euthymia-Gedenkstätte am Vinzenz-Hospital. Am Montag sah Grimm dem Gießmeister dabei zu, wie er die bronzenen Bekrönung für zwei Mahnsteine aus der Form schälte. „Die Oberfläche glänzt. Das wirkt sehr lebendig“, sagte Grimm gestern im Pressegespräch. Die Plastiken werden als Erinnerungsstätten gestaltet. Sie geben Auskunft über den Wohnbereich und den Beruf jüdischer Bürger in Dinslaken.

Der erste Mahnstein erinnert an Hermann Eichengrün, der an der Duisburger Straße 8, gegenüber der Stadtbücherei, ein Hutgeschäft betrieb. Es zeigt einen in Bronze gegossenen Hut, Handschuhe, einen Schal.

Jede Plastik besteht aus einem dreiteiligen Ensemble

Die zweite Plastik ist dem Installateur Julius Isaacson gewidmet, dessen Geschäft an der Eppinghovener Straße 4 lag. Hier hat Grimm Wasserhahn und Abflussrohr in die Plastik eingearbeitet.

Der Guss erfolgte in Einzelteilen, die nach dem Erkalten zusammengeschweißt werden. Die Nähte seien „unsichtbar“, erklärte der Künstler. Die Bronze wird anschließend an eine Basaltstele angepasst. Beim Aufstellen wird sie von innen mit einem Edelstahlzapfen im Boden verankert. Jede Plastik besteht aus einem dreiteiligen Ensemble aus Basaltsteinen, von denen nur der mittlere als Bronzeplastik gestaltet wird. Die beiden flankierenden Steine dienen als Sitzgelegenheiten, von denen aus der Betrachter das Werk auf sich wirken lassen kann. Die Kosten belaufen sich pro Ensemble auf 7500 Euro inklusive Bronzeguss, Transport und Honorar. Zwei Steine sind bislang über Sponsoren finanziert.

Zwei weitere Steine sind in Vorbereitung. Sie erinnern an die Viehhändler Josef und Julius Jacob (geplanter Standort Brückstraße 1, im Bereich der jetzigen Grüneinfriedung an der evangelischen Stadtkirche) und an das Kaufhaus von Siegfried Bernhard (vorgesehener Standort Neustraße Ecke Friedrich-Ebert-Straße, Grünfläche vor der Santander-Bank).

Der Kölner Künstler Gunter Demnig wird die ersten 22 von über 100 „Stolpersteinen“ – auch sie erinnern an jüdische Naziopfer – am 7. Februar in Dinslaken verlegen. Alfred Grimm und der für das Projekt zuständige Kulturkreis Dinslaken warten mit der Übergabe der Mahnsteine bis zum nächsten Jahr. 2013 ist ein geschichtsträchtiges Jahr. Hitlers Machtübernahme jährt sich zum 80. Mal, die Pogromnacht zum 75. Mal. „Und 1993 wurde das jüdische Mahnmal im Stadtpark eingeweiht, erklärte Grimm. Der Bronzekarren hält die Erinnerung an die Vertreibung jüdischer Waisenkinder aus Dinslaken wach.

www.rp-online.de/dinslaken

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Mahnsteine: Arbeit geht voran

Erinnerungsstätten nehmen langsam Form an und sollen 2013 stehen

DINSLAKEN – Schon 2007 hatten Stadtarchivarin Gisela Marzin und Museumsdirektor Dr. Peter Theißen den Plan gefasst, plastische Gedenkstätten zu jüdischem Leben vor ausgewählte Dinslakener Häuser zu setzen. Ein Jahr später setzte sich Alfred Grimm an Entwürfe und Pläne…

Und die gedeihen immer weiter. Bis zum Herbst 2013, ein Jahr, in dem sich u.a Hitlers Machtergreifung (vor 80 Jahren) und die Reichspogromnacht (vor 75 Jahren) jähren, sollen die plastischen „Mahnsteine“ gestaltet und errichtet sein. Unter der Leitung der Beigeordneten Christa Jahnke-Horstmann ist die Projektentwicklung für das Gedenkjahr an einem runden Tisch koordiniert worden. Zusammen mit Kulturkreis, Stadt, Feuerwehr und Polizei sind bereits vier Standorte ausgewählt, an denen die Mahnsteine von Alfred Grimm aufgestellt werden können. Diese Mahnsteine sollen in lebendigen und sinnlich warnehmbaren Plastiken über den Wohnbereich ehemaliger jüdischer Bürger informieren und über deren Leben und Arbeit in der Stadt Auskunft geben. Begleitet werden die Plastiken von zwei Sitzsteinen, auf denen man die Kunstwerke in Ruhe auf sich wirken lassen. Die ersten zwei bronzenen Bekrönungen für die Berufe Putzmacherin und Installateur sind bereits gegossen. Die beiden anderen Modelle werden noch realisiert. Pünktlich zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ hat der Westdeutsche Rundfunk einen Bericht gedreht, der am Freitag, 27. Januar, zwischen 19.30 und 20 Uhr in der Lokalzeit läuft.

Mehr Informationen gibt es natürlich auch im Internet unter der Adresse: www.alfred-grimm.com.