Kruzifixe

Foto 1

Ostern 2006, NRZ » Originalartikel öffnen

Die Auferstehung im Kreuz

SAKRALKUNST / Alfred Grimm übergab der evangelischen Kirche Unsere Arche in Bruckhausen ein gläsernes Altarkreuz.

HÜNXE.Die wenigen Sonnenstrahlen des gestrigen Karfreitags fielen durch das bunte Glas des Objektfensters der ev. Kirche Unsere Arche in Bruckhausen und erhellten das neue Glaskreuz auf dem Altar. Sie erfüllten die transparenten Quader mit Licht und brachen sich in den Splittern der Front. Das Altarkreuz, wie das Fenster ein Werk des Künstlers Alfred Grimm, ist nicht heil. Die Vorderansicht ist von tiefen Rissen durchzogen, Zersplitterungen durch vier Schmiedenägel, die in das klare, zerbrechliche Material getrieben wurden. Gewalttätig, brutal. Die Nägel selbst sind von der Wucht der Zerstörung deformiert. Ihre Positionen entsprechen den Stellen, an denen gewöhnlich die Christusfigur mit vier Nägeln ans Kreuz geheftet wird. Doch der Korpus fehlt an dem Glaskreuz Alfred Grimms. Jesus ist nicht im Tod zu finden. Das Altarkreuz macht die Auferstehung sichtbar, ohne das Leid auszublenden.

Mehr als ein Jahr lag zwischen der ersten Anfrage Pfarrer Matthias Schüttes und der feierlichen Übergabe des Werks während des Karfreitagsgottesdienstes. 18 verschiedene Entwürfe stellte Grimm vor, die Entscheidung für ein gläsernes Kreuz ohne Korpus bedeutete auch für ihn einen völlig neuen Zugang zum Kruzifix. Nicht der „fürchterliche Tod“ der Kreuzigung, auf den Grimm in seinen 60, im Internet unter www.alfred-grimm.com einzusehenden Kruzifixen aufmerksam machte, sondern die gleichzeitige Darstellung von Tod und Auferstehung in einem einzigen Objekt. Ein Novum. Die minimalistische Umsetzung lässt der theologischen Aussage des Kunstwerkes den Vortritt. Gedanken zum Kreuz standen im Zentrum des Karfreitaggottesdienstes. „Das Kreuz stellt nicht Gott in Frage, sondern die Weisheit der Menschen: Wo Menschen ihre Herrschaft ausüben, ist Gewalt, zerspringt Leben, bleiben Scherben oder zumindest Risse“, schloss Pfarrer Matthias Schütte seine Betrachtung.

Alfred Grimm stellte das Kreuz in die kunstgeschichtlicher Tradition, setzte den Kruzifixaussagen der Romanik, Gotik und Renaissance seine neue Symbolik entgegen. „Man wird an den Tod erinnert, aber der, der diesen Tod erleiden musste, ist nicht mehr zusehen, ist fort.“ Positive Gedanken formulierten auch Presbyterin Anette Theil und Chorleiter Hans Alefs. Wie das Objektfenster lädt das neue Werk Alfred Grimms zur eigenen Betrachtung und Meditation ein. Das Glas assoziiert göttliche Wahrhaftigkeit und Klarheit, die den Menschen zugewandte Front hat durch ihre Gewalt Schaden erlitten. Das Kreuz reflektiert die dunkle Seite und zeugt zugleich von der Hoffnung, die Jesus Auferstehung in der Welt entzündet.

Ostern 2006

Ein Glaskreuz voller Licht

Vier Nägel, gesplittertes Glas. Vom Gekreuzigten keine Spur. Alfred Grimm hat für die evangelische Kirche „Unsere Arche“ in Bruckhausen ein Glaskreuz mit einer eindeutigen Botschaft gestaltet: Christus ist auferstanden.

HÜNXE Nie war so viel Licht, nie so viel Leichtigkeit in einem Symbol das für Leid und Tod steht. Dunkelheit und Düsternis sind besiegt. Die Helligkeit triumphiert. „Die Kreuzigung kann nicht das Letzte sein“, sagt Alfred Grimm. „Dieses Kreuz steht für die Auferstehung. Christus hat durch seinen Opfertod die Sünden auf sich genommen und die Menschen erlöst. Der Tod ist überwunden,ist nur noch geistige Erinnerung.“

Leuchtende Farben Sicherheitsglas mit Hufnägeln – in einen leichten, zerbrechlichen Werkstoff hat Grimm schweres Eisen getrieben. Die Wucht des Einschlags hat das Material springen lassen. In den Sprüngen brechen sich Farben – es ist das tiefe Blau und glühende Rot, das satte Grün und strahlende Gelb des großen Altarfensters. Wenn die Sonne hindurchscheint, leuchtet es besonders kräftig. Auch dieses Fenster ist ein Werk des Künstlers, der ganz in der Nähe des Gotteshaus lebt und arbeitet. Grimm hat es vor 13 Jahren geschaffen. Eine weitere Arbeit ziert seit 1999 die Turmkrone des Gotteshauses: eine Taube in einem goldenen Bogen, der ein Segelschiff überspannt.

Baumstümpfe und Ketten

Grimm-Kunst für die „Arche“ – das hat schon Tradition. Als Pfarrer Matthias Schütte für den neu gestalteten Chorraum ein passendes Altarkreuz suchte, klopfte er erneut beim Nachbarn an. Das war im Januar 2005. Bereits Ende August lagen die Entwürfe auf dem Tisch – 18 Zeichnungen, und drei Modelle. Das Presbyterium war beeindruckt und entschied sich, für das Glaskreuz – 80 Zentimeter hoch, 50 breit, elf tief. Die Landeskirche genehmigte den Beschluss. Aus dem Modell wurde ein Original. Im Dezember ging der Auftrag an Glasfirma Stricker raus, im Januar fügte der Voerder Kunstschmied Lutz Isselhorst die Nägel ein. Am 1. Februar gab Alfred Grimm das Werk ab. Die Auseinandersetzung mit dem Thema hat bei Grimm neue Ideen freigesetzt. Bislang umfasst seine in den 80er Jahren begonnene Kruzifixserie über 60 Objekte. Demnächst werden wohl noch einige hinzukommen. Die Entwürfe, die auf dem Weg zum Arche-Kreuz entstanden sind, drängen nach Umsetzung. Illuminierte Glaskuben sind da zu sehen, übereinander gestapelte Baumstümpfe, Kruzifixe aus natürlich gewachsenen Ästen, von denen schwere Ketten baumeln. Jesus am Zollstock. Ein Kreuz mit einem Leichentuch aus Glas.

Darunter Leere, absolutes Nichts. Der Tod ist besiegt. Es ist ein vollständiger, endgültiger Sieg, wie ihn der Künstler auch, in seinem „Keilkreuz“ dargestellt hat. Der Entwurf wurde in der Evangelischen Kirchengemeinde als geheimer Favorit gehandelt. Zu Recht. Schon das Modell beeindruckt. In die Spitze des Kreuzes ist ein mächtiger Keil getrieben. Er spaltet den Balken, zerstört das Holz, an dem Jesus den Opfertod starb. Am Fuß des Kreuzes liegt Werkzeug: ein Hammer, eine Zange, Nägel. „Ein schweres, dunkles Altarkreuz wäre das geworden“, erklärt Grimm. Eines aus Eisen. Nicht zu vergleichen mit dem, das der Gemeinde gestern im Karfreitagsgottesdienst übergeben wurde. Darin, fängt sich das Licht. Darin, strahlt österliche Hoffnung.

Über 60 Objekte

In der ersten Ausstellung mit Kruzifixobjekten von Alfred Grimm waren 1990 in der Evangelischen Stadtkirche in Dinslaken 13 Arbeiten zu sehen. Mittlerweile gibt es über 60 dieser Objekte. Das Glaskreuz ist das zweite, das von einer Kirchengemeinde angekauft wurde. Das erste Kruzifix hat die katholische Kirchengemeinde Bochum erworben. Einblick in die Kruzifixserie gibt es auf der Homepage des Künstlers: www.Alfred-Grimm.com

08. März 2003, Rheinische Post » Originalartikel öffnen

Alfred Grimm stellt in Büderich neue Objekte aus

Die letzten Kruzifixe: Jesus im Kugelfang

Von RALF SCHREINER

DINSLAKEN/HÜNXE. Vielleicht hätten sie Jesus zunächst gekreuzigt und dann auf ihn geschossen. Ein sportlicher Wettkampf, nur so zum Spaß. 100 Punkte für einen Treffer ins Herz, 50 für die Dornenkrone. Römer waren grausam. Alfred Grimms Golgatha ist es auch. Seit 1990 führt der Künstler (Jahrgang 1943) aus Hünxe den Betrachter zu Schädelstätten, die die Menschen empören, schockieren, aufrütteln oder sie betroffen schweigen lassen. Über 60 Einzelwerke kleinen und großen Formats, konzipiert als Hänge- und Standobjekte, hat Grimm seit der ersten Ausstellung in der Evangelischen Stadtkirche in Dinslaken geschaffen. In über 25 Ausstellungen in ganz Deutschland sorgten sie für Furore. Jetzt gibt es neue Objekte: „Die letzten Kruzifixe“ sind vom 8. März bis zum 31. April in der Evangelischen Kirche in Büderich zu sehen.

Römische Folterknechte

Der „Römische Christus“ gehört dazu. Alfred Grimm hat den Gottessohn in einen durchlöcherten Kugelfang genagelt. Er macht ihn zur Zielscheibe von Hohn und Spott, zum perfekten Opfer. Dabei spürt er einmal mehr der Frage nach, wie sich dieser Spott hier und heute in einem zivilisierten, modernen Land äßern würde. Wie würde sie ausfallen, die Wahl der Waffen. Pumpgun und Pistole? Beides gab es noch nicht im Jahr 33 des Herrn. Die Folterknechte begnügten sich mit Kreuzigung. Eine zwar legale, aber brutale und schmerzvolle Hinrichtungsmethode für Verbrecher und aufständische Sklaven. Zudem sehr schmachvoll und gesellschaftlich verachtet.

Der Kreuzestod hat viele Gesichter. Alfred Grimm wird nicht müde, möglichst viele davon zu zeigen. Der formale Ausgangspunkt ist immer gleich. Die historischen Kruzifixe gelangen von Trödelmärkten und Dachböden, als Geschenk oder Mitbringsel in die Hand des Künstlers. Bei der Gestaltung der Objekte ist sich Grimm ebenfalls treu geblieben. Er geht den vor 13 Jahren eingeschlagenen Weg konsequent weiter, baut Knochen, Spielzeug und Drogenspritzen, Fernseh- und Computerteile sowie Alltagsmüll und unzählige Gebrauchsgegenstände in seine Werke ein. Grimm provoziert durch Verfremdung; er scheut auch dann nicht vor grotesker Überzeichnung zurück, wenn ihm – wie schon häfig geschehen – der Vorwurf grober Geschmacklosigkeit droht.

Kopfüber stürzt er Christus aus einem zersplitternden Spiegel, macht ihn als Klon zum Objekt wissenschaftlicher Begierde und als Voodoo-Püppchen zur exotischen Wohnzimmerdekoration. Hier baumelt der Heiland an einer brandschwarzen Mauer mit weißem Hakenkreuz, dort spießt ihn der Künstler auf einen Fleischerhaken und lässt ihn ausbluten wie ein geschlachtetes Lamm. So viel Radikalität verstört, wühlt auf und erschreckt. Doch der Schrecken birgt Erkennen und führt damit über die physische Beschaffenheit des Objekts hinaus. Er dringt bis zur Seele vor.

Die Ausstellung in Büderich wird heute um 19.30 Uhr eröffnet. Öffnungszeiten: zu den Gottesdiensten. Am 30. März findet um 11 Uhr nach dem Gottesdienst ein Gespräch mit dem Künstler statt.

2003

Alfred Grimm
Kruzifixe“ und Mahnmal auf Postkarte

DINSLAKEN. Sechs von Alfred Grimms insgesamt über 60 Kruzifixobjekten gibt es jetzt auch als Postkarte zu kaufen. Ausgesucht hat der Künstler die Motive Spaghettichristus, Afrikanischer Missionschristus, Christus mit Patronennimbus, Schmuckchristus II, Künstlerchristus und Wissenschaftschristus. Ergänzt wird das Set von einer Karte, die das jüdische Mahnmal im Dinslakener Stadtpark zeigt und mit Unterstützung der Stadt Dinslaken erstellt wurde. Die Künstlerkarten kosten drei Euro im Set, 50 Cent im Einzelverkauf. Sie sind in verschiedenen Dinslakener Buchhandlungen sowie in der neuen Galerie an der Lessingstraße zu haben. ras

10. März 2003, NRZ » Originalartikel öffnen

Grimms Werke wollen provozieren

AUSTELLUNG | / „Die letzten Kruzifixe“ in der Büdericher Kirche sollen zum Nachdenken anregen und zu neuen Einsichten führen.

JULIA BERNS (Text)
MARC ALBERS (Fotos)

WESEL. Jesus der blutüberströmt und kopfüber wie Schlachtvieh an einem Fleischerhaken hängt – diese schockierende Darstellung mit dem Titel „Schlachtbankchristus“ gehört zu den Objekten der Austellung „Die letzten Kruzifixe“ des Hünxer Künstlers Alfred Grimm, die seit Samstag in der evangelischen Kirche Büderich zu sehen ist.

Die Werke des Beuys-Schülers Grimm provozieren, rufen Empörung, manchmal auch Entsetzen und Ablehnung hervor, machen gleichzeitig aber auch nachdenklich und führen zu neuen Einsichten. Sie zeigen allesamt einen unwürdigen Tod, stellen die Frage nach Verantwortung und dem Stellenwert der Religion in der heutigen Gesellschaft.

Konfrontation mit dem 21. Jahrhundert

Der Künstler konfrontiert den Kreuzestod Christi mit Themen des 21. Jahrhunderts wie Gewalt, Krieg und Gentechnik. Eine Darstellung wie die des Jesus auf der Schlachtbank ruft ins Bewusstsein zurück, dass das Kreuz, das zum Sinnbild der Christenheit und zum beliebten Schmuckgegenstand geworden ist, einst einen brutalen und menschenverachtenden Akt darstellte.

In der Kombination mit verschiedenen Materialien verfremdet Grimm das Thema, stellt es in neue Sinnzusammenhänge. In der Darstellung eines Versuches, bei dem Kreuze wie Zellen geklont werden, kommt das Allmachtsverlangen des Menschen zum Ausdruck, der Gott zum Gegenstand seiner Schöpfung macht. Die Wissenschaftsgläubigkeit tritt an die Stelle der Religion. Wohin dieser Weg führt, bleibt offen.

Der Betrachter wird einbezogen

Ein anderes Objekt zeigt die Umrisse eines Kreuzes an der Wand, die Kreuze selbst liegen achtlos im Mülleimer. Der Bezug zum Kruzifix-Urteil ist offensichtlich. Manchmal geht der gekreuzigte Christus inmitten von goldenem Kitsch unter, liegt ölverschmiert zwischen rußgeschwärztem Militärspielzeug oder kaum sichtbar in einem Dreckhaufen auf dem Boden.

Die Werke sind eine Herausforderung zur Selbstreflexion an den Betrachter, der durch Spiegel oft direkt in die Darstellung mit einbezogen wird. Die Ausstellung von Alfred Grimm bietet reichlich Diskussionsstoff und stößt sicherlich auch auf heftige Ablehnung, aber sie will nicht belehren.

Die Besucher haben noch bis zum 21. April während der Gottesdienste und Andachten Gelegenheit, sich eine persönliche Meinung zu bilden. Auf Anfrage werden auch Führungen angeboten.

05. März 2003, Der Weseler » Originalartikel öffnen

„Die letzten Kruzifixe von Beuys-Schüler Alfred Grimm“

Ausstellung in der evangelischen Kirche Büderich

Büderich. Die Kultur- und Kunstreihe „Kleinod“ in der evangelischen Kirche Büderich wartet mit einer ungewöhnlichen Ausstellung auf, die am Samstag, 8. März, um 19.30 Uhr eröffnet wird.

Unter dem Titel „Die letzten Kruzifixe“ werden Werke des Künstlers Alfred Grimm aus Hünxe gezeigt. Joachim Schneider Münster wird am Eröffnungsabend dieser 29. Kleinod-Veranstaltung eine Einführung zum Verständnis der modernen und provozierenden Kruzifix-Objekte geben.

Der Beuys-Schüler Alfred Grimm hat seine Kruzifix-Objekte schon mehrfach ausgestellt und damit gleichermaßen Begeisterung wie entschiedene Ablehnung hervorgerufen. Die Objekte sind, wie das eigentliche Kreuzesgeschehen anstößig und vermitteln einen Eindruck von der brutalen Gewalt, mit der die Römer nicht nur Jesus, sondern zigtausend Menschen haben hinrichten lassen.

Grimms Kruzifixe sind keine industrielle Massenware oder auf Hochglanz polierter religiöser Kitsch. Seine Objekte taugen nicht als modisches Accessoire. Der Künstler versteht seine Werke als kritische Statements zum Umgang mit dem Kreuz. Mit künstlerischen Mitteln leistet er seinen aktuellen Beitrag zur Deutung der Kreuzigung Jesu. Der Künstler hofft, dass seine „letzten Kruzifixe“ Anstöße geben, sich mit dem Lebens- und Leidensweg von Jesus Christus näher auseinander zu setzen.

Die Ausstellung ist bis zum 21. April während der Gottesdienste und Andachten in der evangelischen Kirche zu sehen. Am Sonntag, 30. März, findet im Anschluss an den 10 Uhr-Gottesdienst um 11 Uhr ein Gespräch mit dem Künstler statt. Auf Anfrage gibt es auch Führungen (02803/1007 und 8190).

06. März 2003, Rheinische Post » Originalartikel öffnen

„Kleinod“ in Büderich: Hünxer Künstler stellt aus

Vom Heilssymbol zum Kitsch: Kruzifix

WESEL. Mit einer ungewöhnlichen Ausstellung wartet die Kultur- und Kunstreihe „Kleinod“ in der Evangelischen Kirche Büderich auf. Ab Samstag, 8. März, 19.30 Uhr, werden dort unter dem Titel „Die letzten Kruzifixe“ Werke des Hünxer Künstlers Alfred Grimm gezeigt. Zur Eröffnung der Ausstellung spricht Joachim Schneider aus Münster.

Begeisterung und Ablehnung

Der Beuys-Schüler Grimm hat seine Kruzifix-Objekte schon mehrfach ausgestellt und damit beim Publikum gleichermaßen Begeisterung wie entschiedene Ablehnung hervorgerufen. Seine Kruzifixe sind keine industrielle Massenware oder auf Hochglanz polierter religiöser Kitsch. Der Hünxer versteht seine Werke als kritische Statements zum Umgang mit dem Kreuz. Mit künstlerischen Mitteln leistet er seinen aktuellen Beitrag zur Deutung der Kreuzigung Jesu. Grimm hofft, dass seine „letzten Kruzifixe“ Anstöße geben, sich mit dem Lebens- und Leidensweg Jesu näher auseinander zu setzen.

Die Ausstellung ist bis zum 21. April während der Gottesdienste und Andachten zu sehen, am Sonntag, 30. März findet im Anschluss an den 10-Uhr-Gottesdienst um 11 Uhr ein Gespräch mit dem Künstler statt. Auf Anfrage werden auch Führungen angeboten (Tel: 0 28 03 / 10 07 oder 81 90).

Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.alfred-grimm.com.

07. April 1990, NRZ » Originalartikel öffnen

Alfred Grimms Ausstellung

Kruzifixe vom Beuys-Schüler brisant variiert

DINSLAKEN. Eine außergewöhnliche und gleichermaßen delikat-brisante Ausstellung erwartet die Dinslakener Stadtkirche während der Karwoche. Kruzifixe in vielen Variationen, artfremd ergänzt mit allerlei Material von Trödelmärkten und Schrottplätzen: in den Objekten finden sich Autos, Flugzeuge, Spritzen, Ampullen, Plastiksoldaten, Modellpanzer, Farbtöpfe und Elektrokabel-Dinge, die alle ihren speziellen Bezug zur heutigen Zeit haben. Die Kunst stammt von Alfred Grimm, hiesiger Künstler und Kunsterzieher am Dinlakener Theodor-Heuss-Gymnasium, der sich intensiv mit der Kreuzigung Jesu befaßt hat. Bei seinen Arbeiten geht Alfred Grimm von traditionellen Kruzifixen aus. Doch wie ungewöhnlich er dann mit vorgegebenen Kreuzigungsmotiven weiterarbeitet, läßt in ihm den langjährigen Beuys-Schüler erkennen. Er nimmt die Materialien der Kruzifixe auf, lädt aber beispielsweise dem gewaltlosen Messing-Christus noch Messing-Patronenhülsen auf die Schultern. Mit der gewagten Zugabe von Fundstücken erhält der Gekreuzigte unmittelbare Aktualität. Die Werkreihe hat deshalb auch Titel wie „Spaghetti-Christus“, „Künstlerkruzifix“ und „Christus im Leid“.

Die Gestaltung der einzelnen Arbeiten läßt die ernsthafte theologische Auseinandersetzung des Künstlers Grimm mit der Bedeutung des Opfertodes durchscheinen. Für Alfred Grimm sind seine Darstellungen in der Stadtkirche Dinslaken „da, wo sie hingehören“. Auf die Wirkung bei den Besuchern und Gläubigen ist er jetzt schon gespannt.

Eröffnung der Kunstausstellung im Altarraum der Stadtkirche, Duisburger Straße, ist am Palmsonntag, 8. April, um 10.30 Uhr in Anschluß an den Gottesdienst. Zu sehen sind die Kruzifixe bis Ostermontag, 16. April. Die Ausstellung ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

25. November 1994, Stadtspiegel Dorsten » Originalartikel öffnen

Radikal und provokant

Gotteslästerung oder brisante Kunst?

Dorsten. Eine außergewöhnliche Ausstellung wird am Sonntag, 29. November, nach dem Gottesdienst um 11.30 Uhr im Ev. Gemeindezentrum Barkenberg Talaue 68, eröffnet. Alfred Grimm, Künstler und Kunsterzieher am Theodor-Heuss-Gymnasium in Dinslaken, stellt die Kreuzigung Jesu in immer neuen Variationen dar. Einen ersten Einblick in die Arbeiten konnte die Öffentlichkeit zur Eröffnung des neuen Ateliers in Hünxe 1989 gewinnen. Inzwischen folgten Ausstellungen in der Dinslakener Stadtkirche und der Apostel-Notkirche in Essen.

Alfred Grimm geht in diesen Objekten von traditionellen Kruzifixen aus. Doch wie ungewöhnlich er dann mit vorgegebenen Kreuzigungsmotiven weiterarbeitet, läßt den Künstler als langjährigen Beuysschüler erkennen. Er nimmt die Materialien der Kruzifixe und lädt zum Beispiel dem gewaltlosen Christus aus Messing Patronenhülsen aus dem gleichen Material auf die Schultern. Und mit so oft gewagten Zugaben von Fundstücken aus Trödelmärkten und Schrottplätzen erhält der Gekreuzigte unmittelbare Aktualität.

Die Gestaltung der einzelnen Arbeiten läßt die ernsthafte theologische Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Kreuzigung erkennen. Für Alfred Grimm sind seine Darstellungen der Kreuzigung im Ev. Gemeindezentrum „da, wo sie hingehören“. Und Pfarrer Bernhard Korn ist auf die Wirkung dieser Kunstwerke auf die Gemeindemitglieder sehr gespannt: „Werden die Objekte auch nicht allen Besuchern gefallen, so können sie doch anregend auf die Gespräche in der Gemeinde wirken und dafür sorgen, daß kirchliche Themen in der Öffentlichkeit diskuiert werden.“ Die Ausstellung bleibt bis zum 4. Januar 1993 im Ev. Gemeindezentrum Barkenberg. Sie ist geöffnet Sonntags von 11.30–13 Uhr, dienstags von 18–20 Uhr, zu den Öffnungszeiten des Gemeindebüros und nach telefonischer Vereinbarung unter 0 23 69/83 56.

25. März 1996, Rhein-Zeitung Koblenz » Originalartikel öffnen

Die Kreuzigung für unsere Zeit gedeutet

Kruzifix-Objekte in der Christuskirche

KOBLENZ. RED. Christus als Zeitgenosse, der in Bayern durch Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus Klassenzimmern ausgegrenzt wurde: Um diese Idee läßt der Künstler Alfred Grimm aus Hünxe/Niederrhein seit mehr als fünf Jahren seine Vorstellungen kreisen, entwickelt Kunstwerke mit hintergründigem, geheimnisvollen Glaubensbekenntnis, mythisch-mystisch verwobenem Credo.

Die Reaktionen der Betrachter auf die Objekte des Beuys-Schülers schwanken zwischen „beeindruckender Kunst auf hohem Niveau“ und „geschmackloser Gotteslästerung“. Grimm geht es darum, mit künstlerischen Mitteln in die Deutung der Kreuzigung für unsere Zeit einzusteigen. Mit seinen Botschaften will er aber keineswegs in Konkurrenz treten zur Geistlichkeit.

Kunstwerke sollen sie sein und bleiben. In Antiquariaten und auf Trödelmärkten „für ein paar Silberlinge“ erworbene Kruzifixe, teils beschädigt, zerbrochen, dem traditionellen Auge unästhetisch geworden, setzt Grimm in Beziehung zu Themen, Problemen unserer Zeit.

Für den kirchlichen Bereich hat Grimm in seinem Wohnort Hünxe ein Kirchenfenster gestaltet, das auf den Farbscheiben Gegenstände des täglichen Lebens in plastischer Dimension als Blickfang und Struktur appliziert hat. So entstand das in der europäischen Glaskunst wohl einmalige „Objektfenster“ im Chorraum des Gemeindezentrums, das sich inzwischen unter Kunstinteressierten zu einem „Wallfahrtsort“ entwickelt hat. Für die evangelische und katholische Kirchengemeinde in Dinslaken hat er ein lebensgroßes Bronzemahnmal gestaltet, das mit bedrückendem Tiefgang an die Deportation der Kinder des jüdischen Waisenhauses in der Reichspogromnacht erinnert.

Die Kruzifix-Objekte von Alfred Grimm sind bis zum 14. April in der Christuskirche zu sehen: dienstags bis freitags, von 14 bis 16 Uhr. Samstags und sonntags, jeweils eine halbe Stunde vor und nach den Gottesdiensten.

17. März 1998, WZ Wuppertal » Originalartikel öffnen

In der Kunst landet Christus in der Gosse

Im Museum der Vereinten Evangelischen Mission sind noch bis zum 3. Mai Kruzifix-Objekte des Beuys-Schülers Alfred Grimm zu sehen.

Von Susanne Bien

Was hätte Christus wohl zu dieser Ausstellung gesagt? „Herr Grimm, ganz großartig. Sie müssen selbst am Kreuz gehangen haben“ – das wäre vielleicht seine Meinung gewesen, meint der Künstler Alfred Grimm, dessen Kruzifixobjekte sicher einige Besucher schockiert. Dabei sind die Exponate keine Blasphemie, vielmehr fragt sich der Hünxer Künstler, welche Bedeutung der christliche Glaube noch hat.

Heidi Koch vom Völkerkundlichen Museum bedauert, daß den Bewohnern der Industrieländer nichts mehr heilig ist und die Medien den pietätlosen Umgang mit menschlichen Werten fördern. Was dem abgestumpften Konsumenten egal ist, überhöht Grimm plastisch und drastisch mit Requisiten vom Flohmarkt. Christus wird beschmutzt, landet in der Gosse, wird auf einer Intensivstation am Leben erhalten, er wird geklont, er liegt im Ölteppich, den der Golfkrieg hinterlassen hat, und im Mülleimer eines bayrischen Klassenzimmers.

Grimm reagiert auf Ereignisse, ohne kopflastig an Theorien zu hängen. Die Exponate der Ausstellung stammen aus einem Kruzifix-Zyklus von über 40 Objekten, an dem Alfred Grimm schon lange arbeitet. Grimm ist ein Schüler von Joseph Beuys.

„Obwohl gelegentlich eine gewisse thematische Verwandschaft zwischen Grimms Arbeiten und denen anderer Künstler besteht, nutzt keiner wie er eine derart große Zahl von vorhandenen, zum Zwecke der Andacht gefertigten Kruzifixen, um diese in gesellschaftskritischer Absicht als Objekte künstlerisch zu ergänzen“, so Dr. Bernd Krysmanski in seiner Einführung. Die Ausstellung im Völkerkundlichen Museum, Missionsstraße 9, dauert bis zum 3. Mai.

31. März 1994, BILD » Originalartikel öffnen

Kunst in der Kirche
Christus im Dreck

Alfred Grimm (51) studierte bei Joseph Beuys, zeigt in der Immanuelkirche (Pionierstraße 61) 21 ungewöhnliche Kruzifixe: Jesus im Dreck, umgeben von Heroin-Spritzen, eine blutige Axt in der Schulter.

Der Künstler: „Meine Auseinandersetzung mit dem Glauben. Die Idee hatte ich bei einer Morgen-Andacht im Radio nur langweiliges labern. Da machte ich den Spaghetti-Christus.“

Pfarrer Martin Tischler (45) holte die Kunst-Objekte in seine Kirche: „Sie sollen die Betrachter zum Nachdenken bringen.“

Die Ausstellung ist bis Ostermontag vor und nach den Gottesdiensten zu sehen

ak

10. August 1996, NRZ » Originalartikel öffnen

Grimm brachte Jesus zum Röntgen

Künstler plant Werk zur „Auferstehung“

Dinslaken. Schlimm steht es um den kleinen Patienten, der gestern zur Röntgenabteilung des St.-Vinzenz-Hospitals gebracht wurde. Seine Knochen sind aus Metall, seine Gedärme nur bunte Kabel, an Händen und Füßen sind Wundmale zu finden: Die Gestalt Christi selbst ist es, die an diesem Morgen auf dem Röntgentisch liegt!

Eine Nachbildung des Künstlers Alfred Grimm, der den Gottessohn unter der fachmännischen Begutachtung der medizinisch-technischen Assistentinnen Luise Bull, Barbara Simon und Anke Hornschuh in die richtige Aufnahmeposition brachte. Zufrieden hielt er schon nach wenigen Minuten die Röntgenaufnahme seines Jesus in den Händen: „Man kann die

Jesus geröntgt

Rippen richtig gut erkennen!“

Die Idee zu der Aufnahme, die später in ein kleines Objekt eingearbeitet werden soll, kam Grimm vor einiger Zeit, als sein Knie geröntgt werden mußte. Er machte sich Gedanken, was wohl mit Jesus geschehen wäre, wenn er in unserer Zeit hingerichtet worden wäre. „Bestimmt hätte man ihn von Amts wegen obduziert und durchleuchtet“, so der Bruckhausener, „um vielleicht etwas Optisches von Wirkung und Wesen des Gottessohnes zu erfahren.“

Zwar hat die Gestalt Christi in den verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Aussehen schon viele differenzierte ästhetische Wertungen und theologische Interpretationen erfahren. Die Durchleuchtung des Körpers Christi aber ist die erste existierende Röntgenaufnahme in der Geschichte der Kunst.

Stephanie Lettgen

15. Februar 1997, Rheinische Post

Konditorei Maier fertigt Brot-Objekte von Alfred Grimm

„Ein Laib Christi“ aus dem Backofen

Dinslaken/Hünxe. Zur morgigen Eröffnung seiner Kruzifix-Ausstellung im Essener Heliand-Zentrum wird Alfred Grimm Brote mitbringen. Kein gewöhnliches Backwerk, sondern „Kunst-Brote“. Titel: „Ein Laib Christi“, Auflage: 15. Die Dinslakener Konditorei Maier hat die Objekte aus Salzteig gebacken. Das Besondere an den Laibern: eine eingeprägte Christusfigur am Kreuz.

Nach der nicht unumstrittenen Röntgen-Aktion im vergangenen Sommer – der Künstler ließ im Vinzenz-Hospital eine Christusfigur röntgen – führt Grimms Suche nach dem „Geheimnis des Glaubens“ den Betrachter nun an den Abendmahlstisch. Daß bei der Fertigung der Objekte kein gewöhnlicher Brotteig verwendet wurde, hat rein konservatorische Gründe. „Bei normalem Teig wäre das alles wahrscheinlich viel zu schnell auseinandergefallen“, so Grimm. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Objekt durch die Verwendung nicht traditionellen Materials schon von der Anlage her nicht für die Ewigkeit bestimmt ist. Es will sie lediglich spiegeln, oder besser: mit künstlerischen Mitteln einen Anreiz bieten, ernsthaft nach ihr zu suchen.

Die Ausstellung an der Bochumer Landstraße 270 ist bis zum 28. März, montags bis freitags 9 bis 12 Uhr, mittwochs und donnerstags 14 bis 16 Uhr, sowie sonntags jeweils eine halbe Stunde vor und nach den Gottesdiensten geöffnet. Die Vernissage beginnt morgen um 17 Uhr.