Gemeindefenster Hünxe

05. März 2001, Rheinische Post » Originalartikel öffnen

Kirchenfenster gestaltet

Der Künstler seufzte: „Ein saures Stück Arbeit“

HÜNXE. Der Weg zum Erfolg war ein steiniger. Aber jetzt, nach einem Jahr der Planung und der Rückschläge, ist es fertig – beim Kirchencafé nach dem Gottesdienst wurde es gestern der Gemeinde vorgestellt: Das neue Fenster im evangelischen „Haus der Begegnung.“ Und der Künstler seufzte erschöpft: „Es war ein saures Stück Arbeit. Wenn ich gewusst hätte, was ich mir da auflade!“

Grundidee verworfen

Durch tief hängende Lichtschienen hindurch fällt der Blick auf das gut fünf Meter breite, 1,40 Meter hohe, giebelförmig gewinkelte Fenster. Viele kleine rechteckige Scheiben in sanften Farben, durchbrochen von groben Metallverstrebungen und gezackten silbrigen Linien, in Kombination mit vieleckigen, zart getönten Spiegelstücken, sorgen für Farben- und Formenreichtum. Hell hervorgehoben sind Zeichnungen der Dorfkirche und des neuen evangelischen Gemeindehauses in Hünxe.

Der Anstoß zur Gestaltung des Fensters ging von der evangelischen Frauenhilfe aus, die auch die Kosten von über 33 000 Mark schon fast zusammengebracht hat. Die Grundidee: Stücke der 1995 ausrangierten alten Fenster der Dorfkirche sollten zu Teilen eines neuen Fensters im neuen Gemeindehaus werden. Aber schon daraus wurde nichts: Die alten Fensterstücke erwiesen sich als „praktisch ganz schwarz, nicht mehr zu verwerten“, so der Künstler und Kunstlehrer am Dinslakener Theodor-Heuss-Gymnasium, Alfred Grimm, der die Gestaltung des Fensters übernahm.

Die Tücken der Statik

Wenigstens an den Formen der alten Vorbilder orientierte er sich: Tränenförmig geschwungene Scheiben-Stücke, wie aus den gotischen Kirchenfenstern entnommen und erhalten, verarbeitete er zu stilisierten Bäumen und Büschen. Der Idee, das Fenster so nach vorne zu kippen, dass der Betrachter sich in den Spiegelflächen wiederfinden könnte, machte die Statik einen Strich durch die Rechnung: Zu gefährlich, die Scheiben seien zu schwer. Als überbleibsel des Vorhabens sind die Spiegelslücke leicht hervorspringend zusammengefügt.

Da das Fenster nicht nach außen hinaus, sondern in der Wand zum Stuhllager im rückwärtigen Teil des Gemeindehauses liegt, mussten dort Strahler eingebaut werden, die für Lichteinfall von hinten sorgen. Gestern erntete Alfred Grimm viel Lob und Anerkennung für sein Werk – und gab sich gleich ganz bescheiden: „Na ja, ich habe mein Bestes gegeben.“ SINA ZEHRFELD

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Hünxer Gemeindeleben im Spiegel

Von Alfred Grimm gestaltetes Motivfenster wurde gestern präsentiert

Hünxe. Wirkliche Ein- und Ausblicke gewährt es nicht, das neue Objektfenster im evangelischen Gemeindehaus. Bildet es doch den Abschluß einer im „Haus der Begegnung“ eingezogenen Zwischenwand. Deshalb erhält die fünf Meter lange und 1,4 Meter breite Glasmalerei aus der Hand von Alfred Grimm kein direkt durchfallendes Licht, sondern muss zusätzlich beleuchtet werden. Dafür schlägt es in einer Kombination aus traditionellen wie innovativen Elementen eine optische Brücke zwischen Kirche und Gemeinde. Gestern wurde das fast 35.000 Mark teure Objekt offiziell vorgestellt.

Angeregt und finanziert wurde das Projekt von der Frauenhilfe. In dem Wunsch, einige Elemente der 1995 in St. Suitbertus ausgebauten Chorfenster zu erhalten und damit Vergangenheit und Zukunft der Gemeindearbeit zu verknüpfen, gründeten jedoch, wie sich bald herausstellte, erhebliche Schwierigkeiten für die künstlerische Umsetzung der Auftragsarbeit. Nachdem der Entwurf eines auswärtigen Künstlers verworfen worden war, wandte sich der Gemeindevorstand an Grimm.

„Es war ein saures Stück Arbeit“, resümiert der Kunsterzieher, der bei den ersten Betrachtern seines Werkes verdienten Respekt erntete. Sein gegenständliches Motivfenster zeigt Ansichten von Kirche und Gemeindehaus, verbunden mit abstrakteren Flächen. Dabei griff Grimm Formen der gotischen Chorfenster, etwa Fischblasen, als Baum- und Buschmotive auf. Auf eine Verwendung der alten Kirchenfensterscheiben wurde derweil verzichtet. Sie waren über die Jahre zu dunkel geworden und boten überdies farblich zu wenig Abwechslung.

Als besonders innovatives Element des, der Architektur des Gebäudes nachempfundenen, stark geometrisch gegliederten Objektes sticht Grimms Verwendung von Spiegelscheiben heraus. Facettiert und zum Teil in den Raum hervorspringend sollen die in Pastellfarben gehaltenen Spiegelteile, so der Bruckhausener, das vielgestaltige Gemeindeleben im „Haus der Begegnung“ abbilden.

„Im Grunde, Alfred, ist das nicht so Dein Fenster“, stellte einer der Gäste zur Handschrift fest, die das Motivfenster trägt. Dem wollte sich Gemeindepfarrer Martin Duscha jedoch nicht anschließen. „Es ist ein sehr gelungenes Werk; auch weil sich so viele Stimmen daran beteiligt haben und darin wiederzufinden sind.“ Grimm habe gerade durch Farb- und Formvarianten Akzente gesetzt. Nur eines hatte der Beuys-Schüler wirklich vergessen. Es fiel ihm aber erst nach der feierlichen übergabe an die Gemeinde auf. „Ich habe ja nirgendwo signiert. Da müssen wir wohl noch mal ’ne Scheibe rausholen.“ Stephan Schmieding