Fylgie

14. August 2009, NRZ » Originalartikel öffnen

Beinahe ein „Grimm-Sekt“

Der Künstler schuf das Flaschenetikett für eine Marke, die geschaffen wurde, um Geld für krebskranke Kinder zu sammeln

Bettina Schack

Dinslaken. Bei Brigitte und Eva Korn knallten gestern die Sektkorken. Anlass: die aktuelle Sortimentserweiterung um ein prickelndes, geistvolles Produkt, das man jedoch in einer Buchhandlung nicht sofort vermuten würde: Sekt und Wein des Labels „Fylgie“. „Wir nehmen eine gesellschaftspolitische Aufgabe wahr“, stellte Brigitte Korn klar. Und in der Tat hebt sich „Fylgie“ nicht nur durch den keltischen Namen und das von Alfred Grimm geschaffene Künstleretikett ab. Die Marke wurde eigens geschaffen, um die außermedizinische Versorgung krebskranker Kinder zu unterstützen.

Leukämie-Erkrankung gab den Anstoß

Eine Leukämieerkrankung in der Familie rüttelte Thorsten Schulenburg, Dortmunder Inhaber mehrerer Lebensmittelmarktfilialen, auf, brachte ihn in Kontakt mit der Arbeit des ehrenamtlichen Elterntreff leukämie- und tumorkranker Kinder. Neben unmittelbaren Beistand finanziert der Verein medizinisches Gerät und eine Kunsttherapeutin an der Dortmunder Klinik. Der jährliche Bedarf an Spendengeldern: 100 000 Euro.

Einen Teil davon möchte Schulenburg nun mit eigener Sektlinie beisteuern. Seit Ostern sind die Flaschen aus dem Trierer mittelständischen Hause Langenbach als „Fylgie“ auf dem Markt, im Juni konnten die ersten 3600 Euro dem Elterntreff überreicht werden. 6 Euro kostet die Flasche in den Buchhandlungen Korn in Dinslaken und Herta Gebauer in Wesel, 2,50 Euro fließen dem guten Zweck zu.

Für Dinslakener ist „Fylgie“ auch ein lokales Produkt. Barbie Switlick aus Hiesfeld entwickelte Layout und Namen. Fylgien sind laut keltischer Mythologie die Schutzgeister kleiner Kindern bei Gefahr. „Ich habe mich bewusst für einen bedeutungsschwangeren Namen entschieden“, so Switlick. Und für ihren ehemaligen Kunstlehrer. Die „Fylgie“ auf dem Etikett in der Gestalt eines Grimms Mädchen breitet schützend einen Arm aus.

Das Originalmotiv befindet sich inzwischen im Besitz des Elterntreffs. In den nächsten vier Wochen leisten Mädchenbilder von Alfred Grimm an den Wänden dem Sekt in der Buchhandlung Gesellschaft. Derweil möchte Thorsten Schulenburg den Vertrieb ausbauen. Er steht in Verhandlung mit dem Großvertrieb einer Supermarktkette.

14. August 2009, Rheinische Post » Originalartikel öffnen

„Fylgie“ – wie Elfen helfen

„Fylgien“ sind klein, zart und beschützen Babys. In der Buchhandlung Korn ließen sich die keltischen Elfen bislang nicht blicken. Gestern reisten sie in Gestalt von Sektflaschen an. Der Erlös der Benefiz-Tröpfchen unterstützt leukämiekranke Kinder. Das Etikett ziert ein Kunstwerk von Alfred Grimm.

Von Ralf Schreiner

Dinslaken/Hünxe „Fylgie“ schmeckt am besten kalt. Ganz gleich ob er als Sekt oder Wein, ob trocken oder halbtrocken ins Glas perlt. Dass Alfred Grimm gestern ein eher handwarmes Fläschchen entkorkte war dem Umstand geschuldet, dass der gute Tropfen 60 Kilometer im Pkw über die Autobahn transportiert worden war. Thorsten Schulenburg hatte ihn mitgebracht. Der Dortmunder REWE-Kaufmann ist Initiator der Benefiz-Aktion.

Diagnose: Leukämie

Am Anfang stand ein Schicksalsschlag. Im vergangenen Jahr diagnostizierten die Ärzte bei seiner zehnjährigen Tochter Leukämie. Das Mädchen kam in die Städtische Kinderklinik Dortmund. Dort gibt es nicht nur gute Ärzte. Dort ist auch der „Elterntreff leukämie- und tumorkranke Kinder“ aktiv. Die Mitglieder des Vereins kümmern sich um die kleinen Patienten, deren Geschwister und Eltern. Sie organisieren Stationsbetreuungsdienste, beraten in sozialen Fragen, helfen bei Behördengängen, fördern und finanzieren Projekte im psychosozialen und medizinischen Bereich. Vor allem aber trösten sie Menschen, deren Leben durch die Diagnose „Krebs“ von einem Moment auf den anderen völlig aus den Fugen zu geraten droht. „Betroffene und ehemalige Betroffene sind die besten Ratgeber“, erzählt Thorsten Schulenburg. Vor allem die „Stationsmütter“, die dort für die kleinen Patienten im Einsatz sind, seien für seine Familie eine große Hilfe und Erleichterung gewesen. Aber auch die Kunsttherapeutin, die der Verein finanziere, um die Kinder mit Malen, Basteln und Töpfern vom Klinikalltag abzulenken, sei für den Genesungsprozess von unschätzbarer Bedeutung gewesen. Mittlerweile geht es Hanna wieder gut. „Sie gehört zu den 95 Prozent derjenigen, bei denen die Krankheit glücklich verläuft“, berichtet der Vater und lächelt. „Am Montag wird sie elf.“ So viel Glück macht dankbar. Und Dankbarkeit macht erfinderisch. Thorsten Schulenburg brauchte nicht lange, und die Charity-Sekt-Idee war geboren. Für den Elterntreff zahlt sie sich aus: Von jeder verkauften Sektflasche (Ladenpreis 5,99 Euro) erhält der Verein 2,50 Euro, von jeder Flasche Weißwein (Ladenpreis 3,80 Euro), fließen 1,50 Euro für den guten Zweck ab. Im Juni nahm der Verein den ersten Sekt-Scheck in Empfang: 3600 Euro. Der Erfolg hat auch hier mehrere Väter. Einer ist die Wein- und Sektkellerei Langenbach in Trier, die die Flaschen befüllt. Ein anderer ist der Bruckhausener Künstler Alfred Grimm, der für das Flaschenetikett einer Bild aus seiner „Mädchen-Serie zur Verfügung gestellt hat. Und dann ist da noch Barbie Switlick von der Agentur Farbform in Hiesfeld. Die ehemalige Schülerin Grimms hat das Etikett gestaltet und dem Benefiztropfen den Namen gegeben. „ Fylgie“ (auch „Fylgja“) ist die Bezeichnung für eine kleine Elfe. Die nordische Mythologie spricht auch von einem persönlichem Folge- oder Schutzgeist von Neugeborenen, Kindern und ausgewählten Erwachsenen, der sie auf ihrem Lebensweg begleitet. Fylgien greifen ein, um ihre Schützlinge vor Unglück und Unfällen zu bewahren, sagt Switlick. Deshalb passe der Name so gut zum Elterntreff.

19. August 2009, Niederrhein Anzeiger » Originalartikel öffnen

Fylgie: Ein „Grimm“-Sekt der besonderen Art

Die keltische Elfe „Fylgie“ hilft Babies und Kindern

Dinslaken. Die Buchhandlung Korn am Altmarkt / Eppinghover-Straße 24 führt neben ihrem großen Büchersortiment schon immer auch schöne Geschenke und liebevoll ausgewählte Accesoires: Kunst nicht nur in Büchern, sondern auch an der Wand. Derzeit sind es die Zeichnungen von Alfred Grimm aus seiner „Grimms Mädchen-Reihe“. Ein von Alfred Grimm gezeichnetes Mädchen ziert auch seit kurzem das farbige Schmuck-Etikett eines Wohltätigkeits-Sektes und dazu passenden Weines mit dem Namen „Fylgie“.

Und mit diesem „Grimm-Sekt der besonderen Art“ hat es eine ganz besondere Bewandtnis, wie der Künstler zusammen mit Initiator Kaufmann Thorsten Schulenburg und Text-/Etiketten-Gestalterin Barbie Switlick in der Buchhandlung Korn dem Niederrhein Anzeiger erklärte.

In der keltischen Mythologie bedeutet „Fylgie“ eine Art Elfe, ein Schutzgeist für Babies und Kleinkinder, die diese auf ihrem Lebensweg begleiten. Und genau das will der Fylgie-Sekt auch auf seine Weise tun. Denn mit seinem Verkauf werden Spenden für den „Elterntreff Leukämie- und tumorerkrankte Kinder“ gesammelt. Der Verkauf des Charity-Sektes hat seit April schon anderswo 3.600 Euro für die Kinder eingebracht.

Der Elterntreff sammelt seit über zwanzig Jahren Gelder, um die Heilungschancen, Behandlungsmethoden und auch die Lebensqualität von krebserkrankten Kindern zu verbessern. Oft sind die Kinder und deren Familien vollkommen aus der Bahn geworfen und wissen ihr Leben kaum noch zu organisieren. Die medizinische Behandlung im „gesundheitsreformierten“ Klinik-Alltag läßt oft nicht ausreichend Raum für Gespräche, menschlichen Rat und Zuspruch. Heute liegen die Heilungschancen bei entsprechender Behandlung von Kinder-Leukämie bei 95 %, der Kampf gegen den Krebs kann gewonnen werden. Diese Erfahrung haben auch Hanna und ihre Eltern gemacht.

Im letzten Jahr brach die niederschmetternde Nachricht „Leukämie“ (sog. Blutkrebs) über das 10-jährige Mädchen und seine Eltern herein. Eine harte Zeit, die mit Hilfe der Ärzte und dem praktischen Zuspruch von vielen „Ehemaligen“ aus dem Elterntreff bewältigt wurde.

Hanna hat ihren Krebs besiegen können. Der Elterntreff finanziert mit rund 100.000 Euro im Jahr einen Arzt für die Kinder-Krebsstation in Dortmund. Er organisiert Klinik-Clowns, Bastel- und Malstunden, die helfen sollen, den Klinik-Alltag ein wenig menschlicher und erträglicher zu gestalten. Das wollte Hannas Vater Thomas Schulenburg mit seinen Möglichkeiten weiter unterstützen. Als „Lebensmittler“ (Lebensmittelhandel) kam er da auf den „Charity-Sekt oder Wein“ zu bezahlbaren Preisen (Sekt: 6 Euro/2,50 Euro gehen an den Elterntreff, Wein 4 Euro/1,50 Euro für den Elterntreff).

Dinslakener Kreative halfen gern

Der Kontakt zu Künstler Alfred Grimm kam über eine ehemalige Sch&uum;lerin des Künstlers: Barbie Switlick (Agentur Farbform in Hiesfe1d), die als Texterin und Gestalterin viel Erfahrung mit Etiketten-Design und schon mit Schulenburg beruflich zusammen gearbeitet hat.

Alle Beteiligten haben ihren Beitrag unentgeltlich geleistet. Und auch die Buchhandlung Korn stellt kostenlos ihren Verkaufsservice in den Dienst der guten Sache: Fylgie-Sekt und Wein gibt’s ab sofort am Altstadtmarkt in der Buchhandlung Korn. Und: schmecken tun die Getränke auch noch. Ein Prosit auf die Gesundheit! cd