Euthymia

Die Clemensschwestern, zu denen auch Schwester Euthymia gehörte, finden sie im Internet unter www.clemensschwestern.de.

10. August 2001, NRZ » Originalartikel öffnen

Nachttisch mit ewigem Licht

Maria Euthymia/Außenplastik des Hünxer Künstlers Alfred Grimm im Park des St. Vinzenz-Hospitals erinnert an die Ordensfrau. Bronzeguss ist in Arbeit, Einweihung soll am 1. November sein.

Peter Neier

Dinslaken/Hünxe. Alfred Grimm denkt an den Religionsunterricht Ende der 50-er, Anfang der 60-er Jahre zurück. Ab und zu besuchte er sogar den katholischen von Alois Angenendt. „Dass ich nach 40 Jahren als Evangele so einen Auftrag bekomme, hätte ich nicht gedacht.“ Anlässlich der Seligsprechung der Clemensschwester Maria Euthymia am 7. Oktober in Rom hat der Verwaltungsrat des St. Vinzenz-Hospitals den Hünxer Künstler beauftragt, eine Außenplastik zu gestalten. Der 58-Jährige stellte in seinem Atelier in Bruckhausen Pläne und Modelle vor.

Aufstellungsort ist im Park des Krankenhauses. Dort stand in der Kriegs- und Nachkriegszeit die hölzerne Baracke, in der Maria Euthymia Kriegsgefangene und Fremdarbeiter medizinisch und seelsorgerisch betreute.

Diese Baracke macht den Hauptteil der Außenplastik aus. Auf einem Betonsockel mit eingelassenem Kopfsteinpflaster ist sie in Eichenvollholz als halbe Dachkonstruktion (3,20 m breit, 3 m lang, 2,60 m hoch) angedeutet. Auf einem Krankenhausnachttisch in Bronze liegen Arztbesteck (Schere und OP-Messer), Medikamenten- und Pillendosen, auf der Arbeitsplatte wird eine Schale für ein Lebenslicht eingeschweißt. Daneben steht ein Bilderrahmen mit einem Portrait der erwachsenen Clemensschwester in Ordenstracht, eingeschoben ein kleines Foto der jungen Emma Üfing. Diese Foto werden mit Schwarzlot als Siebdruck auf die Bildscheibe aufgebrannt.

Unten auf der Ablage des Nachttisches liegt eine geöffnete Bibel mit einem persönlichen Text der Ordensfrau, ein Kruzifix und ein Rosenkranz. Im draußen zur Anschauung vorgestellten Modell Grimms waren es gestern noch ein Maigret-Krimi und eine Perlenkette.

Längsseits der Baracke befindet sich der bronzene Abdruck einer alten hölzernen Sitzbank mit einem Brotkrusten und dem „Henkelmann“ mit Suppe und Löffel. Daneben liegt ein DIN-A-Blatt, mit einem kurzen Lebenslauf. Unter der Bank stehen alte, abgetragene Soldatenschuhe, an einem Balken hängt eine russische Soldatenjacke.

Bis Mitte Oktober soll die Plastik (Grimm: „Der Preis liegt unter 50.000 Mark“) fertig sein. Einweihung ist am 1. November (Allerheiligen), dem „Tag der Clemensschwestern“.

22. August 2001, Niederrhein Anzeiger » Originalartikel öffnen

Euthymia bleibt unvergessen

Alfred Grimm gestaltet für den „Engel der Liebe“ eine Plastik

Dinslaken. Er stellt sie nicht auf einen Sockel, errichtet kein steriles, stereotypes Denkmal für Euthymia. Alfred Grimm gestaltet für die Clemensschwester, die am 7. Oktober in Rom selig gesprochen wird, eine Gedächnisstätte, die das harte Leben der zarten kleinen Frau mit den helfenden Händen und der unermüdlichen Nächstenliebe ungeschönt zeigt.

Eine schlichte Holzbaracke mit Pritsche, ein Krankenhausnachttisch mit OP-Schere, Pillendose und Brechschale, dazu Kruzifix, ein Rosenkranz und eine Bibel werden Besucher des Vinzenz-Hospitals sehen. Vor dem Nachttisch steht ein Henkelmann mit Suppe und Löffel, vor der Liege stehen zwei abgetragene Soldatenschuhe. An einem Pfosten hängt eine russische Soldatenjacke. Alles Originale, selbst die Russenjacke hat sich Grimm unter großen Mühen besorgt. Die Objekte werden in Bronze abgegossen.

Alfred Grimm, 1943 in Dinslaken geboren, hat den Auftrag vom Verwaltungsrat des St.-Vinzenz-Hospitals bekommen, die Außenplastik für Schwester Euthymia zu gestalten. Grimm genießt über die Grenzen des Niederrheins hinaus einen guten Ruf, hat mit seinem Mahnmal im Stadtpark von Dinslaken und dem sogenannten „Judenkarren“,der an den Umtrieb der Kinder des jüdischen Waisenhauses am Tag des Pogroms (10. November 1938) erinnert, für Aufsehen gesorgt.

Mit dem Leben und Wirken Euthymias hat sich Grimm vertraut gemacht. Sie hat im 2. Weltkrieg in einer Holzbaracke unter primitivsten Bedingungen schwer kranke Fremdarbeiter und Kriegsgefangene gepflegt. „Engel der Liebe“ so nannten sie ihre Schützlinge. Nach dem Krieg wurde sie Leiterin der Wäscheabteilung des Hospitals – quasi abgeschoben. „Heute würde man von Mobbing sprechen“, sagt Alfred Grimm. „Sie hatte Erscheinungen, darüber wurde sich offen lustig gemacht.“ Schwester Euthymia starb am 9. September 1955 im Alter von 41 Jahren an Krebs. Einen Tag später bat eine Schwester, die sich bei einem Unfall die Hand schlimm gequetscht hatte, am offenen Sarg um Euthymias Fürbitte. Sie wurde innerhalb kürzester Zeit, für Mediziner unerklärlich, geheilt.

Grimm: „Ein monumentales Denkmal, das wäre für diese kleine Person nicht das richtige gewesen.“ Die Gedächnisstätte wird am 1. November (dem Tag der Clemensschwestern) eingeweiht. Besucher können ein Lebenslicht für Schwester Euthymia anzünden, dem „Engel der Liebe“.

Hal

19. August 2001, Kirche und Leben » Originalartikel öffnen

Alfred Grimm entwirft eine Außenplastik, die an Schwester Euthymia erinnert

Krankenpflege und tiefe Religiosität verbunden

Die Seligsprechung von Schwester Maria Euthymia am 7. Oktober in Rom wirft auch in Dinslaken ihre Schatten voraus. Das St.-Vinzenz-Hospital hat den Künstler Alfred Grimm beauftragt, eine Außenplastik zu entwerfen, die an die St.-Barbara-Baracke erinnert. Dort nämllich hatte die Ordensfrau mit großer Liebe Kriegsgefangene und Fremdarbeiter gepflegt. »Engel der Liebe« hatten die Männer sie deshalb genannt.

ALFRED GRIMM ist in Dinslaken kein Unbekannter. Auch in seiner Heimatstadt hat der Künstler mit seinen Werken schon viel Aufsehen erregt. Große Aufmerksamkeit hat vor allem das Mahnmal im Stadtpark hervorgerufen, mit dem Grimm an die Vertreibung und Ermordung der jüdischen Einwohner erinnert hat.

Grund genug für den Verwaltungsrat des St.-Vinzenz-Hospitals, den renommierten 58-jährigen Künstler mit einer Plastik zu beauftragen, die an den Ort erinnert, an dem die Ordensschwester Maria Euthymia die Kriegsgefangenen und Fremdarbeiter aufopferungsvoll pflegte: die hölzerner Baracke im Park des Krankenhauses, in der damals zeitweise bis zu 50 Betten waren, wo die Personen mit ansteckenden Krankheiten untergebracht waren.

Die Plastik gründet auf einem Betonsockel, der in das Kopfsteinpflaster eingelassen wird. Angedeutet wird die Baracke, die den überwiegenden Teil der Plastik ausmacht, durch Pfähle aus Eichenholz (3,20 Meter breit, 3 Meter lang und 2,60 Meter hoch). In der Baracke steht die in Bronze gegossene Nachbildung eines Krankenhaustisches, auf dem ein Arztbesteck (Schere und OP-Messer) sowie Medikamenten- und Pillendose liegen: alles Gegenstände, die in Größe und Form der Vorkriegszeit entsprechen. Auf der Arbeitsplatte wird die Schale für ein Lebenslicht aufgeschweißt. An die Ordensfrau erinnert ein Portrait der erwachsenen Clemensschwester in einem Bilderrahmen.

Unten auf der Ablage des Nachttisches liegen persönliche Gegenstände: die geöffnete Bibel mit einer persönlichen Textstelle, ein Kruzifix und ein Rosenkranz. Alle diese Gegenstände erinnern an die tiefe religiöse Bindung von Schwester Euthymia und sind in Bronze gegossen.

Seitlich des Nachttisches, an der Längsseite der Baracke, befindet sich der Bronzene Abguss einer alten, hölzernen Sitzbank, worauf eine Schale mit einem Brotkrusten und ein Soldatengeschirr, einem sogenannten Henkelmann mit Suppe und Löffel, steht. Denn Euthymia habe, sagt Grimm, nicht nur den Körper der Kranken geheilt, sondern auch den großen Hunger gestillt.

Neben dem Löffel liegt ein Din-A-4 Blatt mit dem Lebenslauf der Ordensfrau. Abgetragene Schuhe und eine russische Soldatenjacke unter der Bank erinnern an die Kriegsgefangenen. Eingeweiht wird das Mahnmal (der Preis liegt bei rund 50 000 Mark) am 1. November, dem »Tag der Clemensschwestern«. Jürgen Kappel

09. September 2001, Kirchenkreis Dinslaken » Originalartikel öffnen

Von Personen Die Rückkehr eines „Engels“ nach Dinslaken bewerkstelligt der Künstler Alfred Grimm. Dort, wo sie im Krieg Kranke pflegte, wird eine Gedenkstätte an Schwester Euthymia erinnern

Messer, Kruzifix und Brotkrusten

Von Käthe Benninghoff

Dinslaken. Der „Engel der Liebe“, wie Schwester Euthymia liebevoll genannt wurde, kehrt nach Dinslaken zurück. Am Vinzenz-Hospital, dort, wo im Krieg die hölzerne Baracke stand, in der Schwester Euthymia schwer kranke Kriegsgefangene und Fremdarbeiter pflegte, soll eine Gedächtnisstätte für die Clemensschwester entstehen, eine überdachte Bronzeplastik mit Nachttisch, Sitzbank und Porträt. Gestalten wird sie der Bruckhausener Künstler Alfred Grimm.

Der Zeitpunkt ist gut gewählt: Am Sonntag, 7. Oktober, wird die kleine Nonne mit dem großen Herzen in Rom selig gesprochen. Die Bronzeplastik soll am 1. November, dem Tag der Clemensschwestern, eingeweiht werden. Aufstellungsort ist der Park des Krankenhauses: Dort stand in der Kriegs- und Nachkriegszeit die Baracke.

Als Herzstück ein Nachttisch

Alfred Grimm ist sichtlich erfreut und zugleich bewegt, dass er als Protestant diesen Auftrag bekommen hat. Er denkt an seinen Religionsunterrricht zurück und sagt: „Das wäre Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre nicht möglich gewesen, obwohl ich schon mal hin und wieder den katholischen Religionsunterricht bei Alois Angenendt besucht habe.“

An der Wand seines Ateliers hängen Skizzen der Plastik, mit großzügigen Strichen aufs Papier geworfen. Aus ihnen sind längst handfeste Pläne und ein Modell geworden. Eine schlichte Holzbaracke, 3,50 Meter breit, 2,60 Meter lang, 2,50 Meter hoch, ohne schützende Wände stellt den Arbeitsplatz Schwester Euthymias dar. Darin steht als Herzstück ein Krankenhausnachttisch mit Arztbesteck – Schere, OP-Messer, Pillendose. Neben den Instrumenten, die die Clemensschwester zur täglichen Krankenpflege benötigte, finden sich Attribute der Seelsorge: ein Kruzifix, ein Rosenkranz, eine Bibel.

Das Kunstwerk hält die Erinnerung wach

Vor dem Nachttisch steht eine Sitzbank mit einer Schale, gefüllt mit Brotkrusten, ein „Henkelmann“ mit Löffel für die Suppe. Davor blickt man auf abgetragene Soldatenschuhe. An einem Haken hängt eine alte Russenjacke. All diese Dinge werden in Bronze abgegossen.

Ohne ein Bild der Clemensschwester wäre die Gedächtnisstätte unvollständig. Alfred Grimm hat ein Porträt Euthymias in Ordenstracht ausgewählt. Es ist eingelassen in einen kleinen Rahmen, der mit auf dem Nachttisch steht. Eingeschoben ist ein kleines Foto aus der Zeit , als der „Engel der Liebe“ noch die jugendliche Emma Üffing war.

Für Menschen, die ein leuchtendes Zeichen des Gedenkens setzen möchten, ist ein kleines Behältnis aus Bronze auf dem Nachttisch aufgeschweißt. Soviel steht fest. Das Kunstwerk wird die Erinnerung an Euthymia wach halten.