Dinslakener Mahnmal

31. August 2017, WAZ » Originalartikel öffnen

Zarte Porträts und bittere Tortenschlacht

Alfred Grimms Ausstellung „…zum Kennenlernen“ betont die heitere Seite des Objektkünstlers. Der 74-Jährige stellt in der KiR-Galerie aber auch grimmige „Generalstabstorte“ aufs Podest.

Von Ralph Wilms

Wenn Alfred Grimm allein mit seinen Kruzifix-Objekten eine Ausstellung bestreitet, wie vor zwei Jahren im berühmten Kloster Kamp, dann wirkt sein Werk ganz anders: Grimmig, wie der Name schon sagt. Man sollte sich nicht täuschen lassen, aber in der Künstlergalerie KiR ist das Entree ungleich freundlicher.

TV-Dioramen brauchen Tiefe

Den Fernseher im Schaufenster befüllt der 74-Järige mit einem muhenden Kuheuter, darunter eine alpine Seenlandschaft. Sein Gegenstück, hat man die Galerie betreten, zeigt eine alpine Autokarawane, trickreich im Spiegelbild verlängert. Die TV-Kunst des Alfred Grimm kann natürlich nichts anfangen mit modernen Flachbildschirmen. Seine bis ins Detail bestückten Dioramen brauchen Tiefe – in jeder Beziehung. Doch dafür hat der passionierte Nachtarbeiter und pensionierte Kunsterzieher daheim in Hünxe-Bruckhausen ein stattliches Materiallager.

So konnten die KiR-Aktiven aus dem Vollen schöpfen, um mit Grimm eine Ausstellung „…zum Kennenlernen“ zusammenzustellen. „Grimms Mädchen“ zeigen wohl die zugänglichste Facette des Vielseitigen. Für die mal virtuos, mal skizzenhaft aufs Blatt gebrachten 24 Gruppenporträts von Teenagern aller Nuller- und Zehnerjahre entschieden sich die Galeristen erstmals für eine „Petersburger Hängung“: dicht an dicht an dicht.

Der Ingrimm dieses verschmitzten Meisters der Täuschung enthüllt sich erst auf den zweiten Blick: Da sind die allerliebst dekorierten Kuchen-Objekte, angefüllt mit köstlichen Pointen im Tortenbelag. Es gibt die schön geschichtete „Reine Blättertorte“ aus Herbstlaub. Es gibt das Kuchenstück mit Herrenreiter, daneben frisches „Fallobst“ in Gestalt von Pferdeäpfeln.

Und es gibt die bitterböse „Generalstabstorte“, dekoriert mit Patronenhülsen und Orden vieler Herren Länder. Doch angefüllt ist das transparente „Gelee“ aus Polyester mit Knochensplittern. Alfred Grimm erinnert an die „Knochenmühle“ von Verdun vor hundert Jahren“: Jeden Tag 5000 Gefallene, jeden Tag“. Der Feuerwehr-Kuchen mit Drehleitereinsatz ist dagegen ein appetitliches Kunst-Stückchen.

Dass auch im Schach, das „Spiel der Könige“, als sublimierte Schlachtordnung übers Brett zieht, hat den Künstler zu vielen Variationen inspiriert. Das martialischste Beispiel in der KiR-Galerie ist sein „Technisches Schach“: Die schwarzen Figuren technoid aufgemotzt wie Sternenkrieger. Die weißen sind hier Zündkerzen, gebettet in Wolken von Stahlwolle.

Die neuste Objekt-Serie allerdings, auf Basis von häuslichen Weihwasserbecken, wie sie früher in jedem katholischen Haushalt am Niederrhein gehörten, mag der protestantische Provokateur noch nicht ausstellen. Von einer Arbeit erzählt er aber doch – von seinem heimlichen Schwur: „Zu Lebzeiten wirst Du dieses Objekt nicht ausstellen.“ Zwei Wochen später war es verkauft.

Am Samstag stündlich Musik und Lesung

  • Die Ausstellung “Zum Kennenlernen“ eröffnet am Samstag, 2. September, um 18 Uhr in der Galerie KiR, im Europahaus, Elsässer Straße 21. Eine Einführung gibt der Kunsthistoriker Joachim Schneider.
  • Die Vernissage ist Teil der Kulturnacht „Schlaflos“: Die Galerie KiR bleibt den ganzen Abend geöffnet. Jeweils zur vollen Stunde, ab 20 Uhr, liest Hildegard Hugo eigene Texte, spielt Wolfgang Müller eigene Kompositionen.
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