DINs-LAKEN

10. Februar 2010, Niederrhein Anzeiger » Originalartikel öffnen

„Mein Dinslaken“ für Liebende

Künstler Alfred Grimm und sein ganz besonderes Valentinstags-Geschenk

DINSLAKEN. VOERDE. Für den Valentinstag im Kulturhauptstadtjahr hat sich der Künstler Alfred Grimm von der Niederrhein Anzeiger-Malaktion „Mein DINsLAKEN“ zu etwas ganz besonderem inspirieren lassen: Einem „DINsLAKEN“ für Liebende. In einer kleinen vom Künstler handsignierten (und waschbaren) Kollektion bei DINAMIT (Friedrich-Ebert-Straße 44–46, Tel. 02064-605304) und Betten Krüßmann (Duisburger Straße 19, Tel. 02064-71062) zu erwerben.

Lupercalia

Die Wurzeln des Valentinstages reichen übrigens bis in vorchristliche Zeiten.
Die Römer feierten am 14. Februar „Lupercalia“, ein Fest der Göttin Juno (Schutzpatronin der Ehe und Gattin des „Götterchefs“ Jupiter). An diesem Tag gingen die jungen Mädchen in den Juno-Tempel, um sich ein Liebesorakel für die richtige Partnerwahl zu holen. Die jungen Männer zogen Lose, auf denen die Namen der noch ledigen Frauen standen und gingen dann mit ihnen aus. Der römische Ehemann schenkte seiner Gattin Blumen an diesem Tag.

In der Anfangszeit des Christentums wurde am 14. Februar die Ankunft Jesu als himmlischer Bräutigam zur himmlischen Hochzeit gefeiert, was aber in Vergessenheit geriet (Fleurop war wohl noch nicht soweit).

Valentin von Terni

Eine weitere christliche Legende erzählt von Bischof Valentin von Terni, der einige Verliebte christlich traute, darunter auch Soldaten, die nach römischen Befehl eigentlich unverheiratet bleiben mussten. In der Überlieferung heißt es, diese Ehen hätten unter einem guten Stern gestanden und er habe den Paaren Blumen aus seinem bischöflichen Garten geschenkt.

Valentinspaare per Los

Seit dem 15. Jahrhundert finden sich in England „per Los“ Valentinspaare, die sich kleine Geschenke oder (möglichst) selbstverfasste Gedichte schicken. Englische Auswanderer brachten den Valentinsbrauch mit in die “Neue Welt„.
Und mit den US-Soldaten Ende des Zweiten Weltkriegs kam der Brauch auch nach Deutschland zu den Frolleins: 1950 fand in Nürnberg der erste „Valentinsball“ statt und der Valentinstag wurde „offiziell“ auch bei uns eingeführt.
Das DINsLAKEN aber wurde erst 2009 erfunden. Alfred Grimm erhielt die Erlaubnis für seine exklusive limitierte Edition im Kulturhauptstadtjahr 2010. Was wohl Göttin Juno dazu sagen würde? cd

17. Februar 2010, NRZ » Originalartikel öffnen

Kunst für drunter und drüber

Alfred Grimms neueste Edition ist auf Satin gedruckt. „Grimms Laken“ ist nummeriert, signiert, datiert und wasch[bar?]

Bettina Schack

Hünxe. Kruzifixe, Tortenobjekte, Autounfälle und Fernsehszenarien: Die Kunst von Alfred Grimm liebt es zumeist, sperrig zu sein. Doch in den letzten Jahren trat auch vermehrt eine sanftere Seite des Objektkünstlers, Malers, Zeichners und ehemaligen Kunstlehrers am Theodor-Heuss-Gymnasium Dinslaken hervor. „Grimms Mädchen“ sind verträumte Porträts oder Liebesbilder. Und jetzt gibt es Grimms Aktmalerei sogar auf weich-glänzendem Satin. „Grimms Laken“ in einer Edition von 50 Stück sind nummeriert, datiert, signiert und waschbar bis 40 Grad Celsius. „Sie eignen sich als Tagesdecke, Bild, Raumtrennung oder Vorhang“, erklärt der Objektkünstler mit natürlichem Hang zu Zweckentfremdung und Weiterverwendung. Oder als das, was sie sind. Echte Bettlaken von der Borkener Firma Bierbaum.

Aktzeichnungen

Wie kommt die Kunst jedoch aufs Satin statt auf die Leinwand? Vor „Grimms Laken“ kam das „DINsLAKEN“. Zum Kulturhaupstadtjahr rief die Dinamit Schulen, Kindergärten und freie Künstler auf, ihr persönliches Dins-Laken zu bemalen. Alfred Grimm beteiligte sich an der Aktion, schuf eine Arbeit „in progress“. Er fertigte einen Holzrahmen, versah das Laken mit Ösen und bemalte nur ein kleines Stück mit Wahrzeichen der Stadt.

Dann schickte er das Laken auf Reisen. Thomas Pieperhoff übergab es am Ende der Local Hero-Woche mit der Staffelstabübergabe an Kamp-Lintfort. Wenn 2010 die Kulturschaffenden von 53 Kommunen wirklich unter einer Decke stecken sollten, müsste das Laken am Ende des Jahres komplett bemalt in Hünxe zu Alfred Grimm zurückkommen.

„Ich neige dazu, bei allem was ich tue, zu wuchern“, sagt Grimm. Wenn er sammelt, füllt er Regalreihen; wenn er Kunst schafft, bildet er Serien. Bei einem Laken zu bleiben, wäre untypisch für den Beuys Schüler. Und ebenso, nicht Querbeziehungen zu suchen und zu finden. In einer Mappe zu „Grimms Mädchen“ und Aktzeichungen befindet sich das Originalmotiv der Satin-Edition. Eine Komposition aus Aktzeichnungen, licht und hell koloriert. Gerade mal 25 mal 35 Zentimeter groß. In der Borkener Firma, die normalerweise Bettwäsche in industriellen Mengen herstellt, fand er einen Partner, der das Motiv auf das Format 250 mal 150 Zentimeter vergrößerte, die Dinamit und Betten Krüssmann sagten den Verkauf der Edition zu.

Lebensfrohe Seite

Währenddessen steht bereits das nächste städtische Projekt an. Für den Sommer plant das Stadtarchiv eine Schaufenstergalerie, an der sich neben seiner Frau Barbara auch Alfred Grimm, der derzeit auf Ideensuche ist, mit Bildern beteiligen wird. Die Objektkunst tritt im Moment etwas zurück, zuletzt fand in Siegen „Fahrerflucht“ mit einem verbogenen Kinderfahrrad auf pflastersteinen Beachtung.

In Dinslaken zeigt Alfred Grimm nun seine lebensfrohere Seite: erotische Kunst auf Bettlaken. Ein wenig pikant, ein wenig provokant. Typisch Alfred Grimm.

„Grimms Laken“ sind zum Preis von 135 Euro in Dinslaken bei Dinamit, Friedrich-Ebert-Straße 44–46, und Betten Krüssmann, Duisburger Straße 19, erhältlich.

26. Februar 2010, NRZ » Originalartikel öffnen

Das Dins-Laken

Der Künstler Alfred Grimm präsentiert kolorierte Aktzeichnungen als Bettwäsche

Bettina Schack

Hünxe. Zwischen den Backsteinmauern des ehemaligen Gasthofs an der Landstraße zwischen Lohberg und Hünxe türmen sich Kartons über Kartons in Schwerlastregalen. „Ein Schnäppchen aus dem Restbestand eines Bundeswehr-Bataillons“, freut sich Alfred Grimm und schlägt mit der Hand gegen die massiven Stahlträger. Schließlich tragen diese Regale eine Verantwortung. Hier lagert Kunst.

Das alte Backsteinhaus wurde zum vielräumigen Atelier des Malers, Zeichners und Objektkünstlers. Und vor allem als letzterer braucht man Platz. Für Dinge, die dieses Lager wie einen Kramladen aus einer phantastischen Erzählung erscheinen lassen. Fein säuberlich beschriftet harren hier Schädel, Knochen und OP-Bestecke, Plastikblumen und Modellautos ihrer neuen Bestimmung. Vorsicht! Neben den fertig gerahmten Bildern lehnt eine Autotür am RegaL Und hinten an der Wand ein Objekt: eine gekachelte Wand, der Einschub eines Kühlfachs im Leichenschauhaus. Die Füße, die von der Bahre ragen, tragen Wundmale, „Eine Grablegung Christi – wie sie heute aussehen würde“, erklärt Grimm.

Künstlerische Provokation

Der Beuys-Schüler und pensionierte Kunstlehrer an einem Dinslakener Gymnasium, der großformatige Plastiken, Mahnmale und Sakralkunst für Dinslaken, Hünxe und Wiehl schuf, liebt die künstlerische Provokation, machte seinen Namen gern zum Programm. Vor drei Monaten steuerte er einer Ausstellung des Siegener Kunstkreis das Objekt „Fahrerflucht“ bei, ein verbogenes pinkfarbenes Kinderfahrrad auf Pflastersteinen, „Ich habe es preiswert erstanden, Dann habe ich meinen Nachbarn Gerd Eickhoff gebeten, mit dem Trecker drüber zu fahren, um es in ein unfallfähiges Kunstwerk zu verwandeln.“ Alfred Grimm ist vieles, aber kein Kuschel-Künstler.

Von wegen. Grimm kann auch anders. Seine neue Edition ist kein sperriges Objekt, sondern eine Komposition aus hell kolorierten Aktzeichnungen auf hochwertigen Satin. Nachdem die Dinslakener zum Kulturhauptstadtjahr von ihrem Stadtmarketing Dinamit aufgefordert wurden, ihren Ortsnamen im modernen Sprachklang wortwörtlich zu nehmen und ihr persönliches „DINsLAKEN“ zu gestalten, bereitete Grimm zunächst ein Tuch vor, das gerahmt durch alle 53 Ruhr.2010 Kommunen wandern solL Er selbst legte mit Impressionen Dinslakener Wahrzeichen vor.

Jungen und Mädchen

Nach diesem „DINsLAKEN“ nun „Grimms Laken“. Seit 2006 beschäftigt sich der Künstler mit Porträtzeichnungen junger Mädchen, die er einzeln oder mit in getrennten Sitzungen gezeichneten Jungenporträts Zu Liebespärchen kombiniert. „Grimms Mädchen“ zeigte er in Ausstellungen im Preußenmuseum Wesel In den Mappen dazu befanden sich auch Aktbilder. Eines davon, im Original im Format 25 mal 35 cm, ließ er von der Borkener Firma Bierbaum vergrößern und als Bettlaken produzieren.

Diese Edition ist nun in einer Auflage von 50 Stück nummeriert, signiert, datiert und waschbar bis 40 Grad Celsius erhältlich. Ist es nicht zu schade, sie unter Kissen und Decken verschwinden zu lassen? „Das Laken macht sich auch sehr gut als Tagesdecke, als Wandbild, Raumtrennung oder als Vorhang“, sagt der Objektkünstler mit dem offenen Blick für Zweckentfremdung. Und damit ist es Alfred Grimm wieder einmal gelungen, seine Kunst aus dem aus dem Rahmen fallen zu lassen. „Grimms Laken“ ist in Dinslaken bei der Dinamit Dinslaken, Friedrich-Ebert-Straße 44–46, und bei Betten Krüssmann, Duisburgerstraße 19, für 135 Euro erhältlich.