150 Arbeiten auf 30 m²

16. Juni 2010, Niederrhein Anzeiger » Originalartikel öffnen

Happy Birthday, lieber Alfred Grimm!

Ausstellung in der Galerie Kleeblatt an der Hünxerstraße 399 vom 19. Juni bis 16. Juli

150 Arbeiten auf 30 Quadratmetern. Die Galerie Kleeblatt gratuliert mit einer Geburtstags-Ausstellung: Vom 19. Juni („ExtraSchicht“ auf Lohberg) bis 16. Juli 2010. Montags bis freitags von 9 bis 18.30 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr kann man dort einen ungewöhnlich kompakten Überblick über das Grimmsche Schaffen erhalten.

DINSLAKEN. Die Frage, die man Künstler nie stellen darf, ist ja die Frage nach dem „Wie und warum sind Sie denn Künstler geworden?“ Denn eigentlich beantworten ja die Werke diese Frage. Doch „gottseidank“ ist Alfred ja auch ein Lehrer und das mit Passion und „dumme Fragen“ gewöhnt. Sein Berufswunsch war auch nicht pauschal Künstler, sondern einmal Kunst-Erzieher zu werden.

Die Fähigkeit Dinge zu erklären und weiter zu geben lag ihm. Vielleicht auch, weil er nach dem frühen Tod der Mutter schon jung Verantwortung für seine kleinen Geschwister übernommen hatte. Auch sein Kunstlehrer spielte eine Rolle, denn der gab ihm einen entscheidenden Hinweis: „Als Kunst-Erzieher muss man künstlerische Potenz haben.“

Nach Abi und Wehrdienst beim Bundesgrenzschutz ging Alfred Grimm als Lehramtsstudent nach Düsseldorf, wo er an der Kunstakademie auch beim großen Joseph Beuys studierte: „Beuys war eigentlich mehr in therapeutisch menschlicher Hinsicht als künstlerisch wichtig in meinem Leben.“, zieht Grimm heute Bilanz. Sein zweites Lehramtsfach war Biologie. Nach einer kurzen Zeit an einem Duisburger Gymnasium fing Alfred Grimm als Kunst- und Biologielehrer ein seinem alten Dinslakener Theodor-Heuss-Gymnsium an: „Ich kannte doch alle Lehrer“. (Und er hat das bis zu seiner Pensionierung „nie bereut“). An der Düsseldorfer Kunstakademie ist ihm auch seine große Liebe Barbara begegnet: „Als sie in ihrem roten Pulli durch die Gänge lief, wußte ich, das ist sie.“ Zwei erwachsene Söhne hat das Paar. Und sie haben sich in der Arbeit – oft auch kritisch – all die Jahre bestens ergänzt. (Zur Rubin-Hochzeit nach 40 Jahren Ehe wollte Barbara aber keinen solchen Stein…).

Dem Niederrhein Anzeiger ist Alfred Grimm immer wieder als Künstler und Kunstsachverständiger ein wohlwollender Spiritus Rector gewesen und oft ganz praktisch: Eine große Hilfe!

„Mein DINsLAKEN“

Auch bei der großen Niederrhein-Anzeiger-Malaktion „Mein DINsLAKEN“, (Idee: Caro Dai) an der mehr als 500 kleine und große kreative Dinslakener unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Dr. Michael Heidinger teilnahmen, unterstützte Alfred Grimm mit Rat und Tat diese, nur mit lokalen Sponsoren auf die Beine gestellte „Local Hero“-Aktion zur Kulturhauptstadt 2010. Er selbst schuf zu diesen Anlass eine limitierte „DINsLAKEN für Liebende“-Edition (oben rechts, siehe auch Seite 3 und NA-Lokalkompass.de / Dinslaken: 1. Dinslakener Literatur-Hotel-Preis).

Die schönsten „DINsLAKEN“ (darunter auch die von (rechts) der Lebenshilde Dinslaken und (unten) von Lara und Nathalie) der NA-Malaktion werden ebenfalls am Samstag, den 19. Juni bei der „ExtraSchicht“ zu sehen sein. Und hier jetzt auch unsere herzliche Geburtstagsgratulation an den Meister: „Hoch soll er leben, dreimal hoch!“
cd

21. Juni 2010, Rheinische Post » Originalartikel öffnen

Grimm’sche Kunst aus 40 Jahren

Von Lena Steeg

DINSLAKEN. Nein, es handle sich in der Galerie Kleeblatt auf der Hünxer Straße nicht etwa um eine Gemeinschaftsausstellung mit dem weltbekannten Verhüllungskünstler Christo, stellte Alfred Grimm gleich zu Beginn der Ausstellungseröffnung am Freitagabend klar. Das, was da an Plastikplanen von der Galeriefassade baumelte, sei tatsächlich der Fassadenrenovierung geschuldet.

Schuhabdrücke

Die weißen, mit Farbe auf den Asphalt gebannten Schuhabdrücke jedoch, hatte der Künstler höchstselbst am Nachmittag vor der Ausstellungseröffnung auf den Boden gepinselt. Drei Stunden hatte das gedauert, länger, als Grimm zunächst vermutet habe. Aber der Hünxer Künstler blieb hartnäckig. Einmal begonnene Projekte werden eben zu Ende geführt, da ist der Künstler konsequent.

Eine Beständigkeit, die sich auch in seinen Arbeiten bestens nachvollziehen lässt. In der nur 30 Quadratmeter kleinen Galerie, die von Apotheker Werner Heuking gesponsert wird, hängen 150 Werke aus den vergangenen 40 Jahren Schaffenszeit. Gemeinsam mit Lale Arslanbenzer vom Forum Lohberg hatte Heuking Alfred Grimm zu dieser Werksausstellung überredet. „Es war dann doch eine Menge Arbeit, die ganzen Bilder hervor zu kramen, zu säubern und teilweise neu zu rahmen“, so Grimm. Gelohnt hat sich die Bestandsaufnahme alle Mal.

In der so genannten „Petersburger Hängung“ geben die kleinen und mittelformatigen Arbeiten nun einen eindrucksvollen Überblick nicht nur über die Entwicklung des Künstlers, sondern auch über dessen thematisches wie handwerkliches Repertoire. Landschaften, Hirschmotive, Akte, Portraitzeichnungen und kleine Notationen wechseln sich ab.

Kleeblatts Öffnungszeiten

Geöffnet ist die Galerie Kleeblatt an der Hünxer Straße 399 (neben der Kreuz-Apotheke) montags bis freitags von 9 bis 18.30 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr. Die Ausstellung läuft noch bis Freitag, 16. Juli.

22. Juni 2010, NRZ » Originalartikel öffnen

Ein Blick auf die Wurzeln

Alfred Grimm zeigt in der Galerie Kleeblatt 399 in Lohberg 150 Arbeiten auf 30 Quadratmetern

Bettina Schack

Dinslaken. 150 Bilder drängen sich dicht an dicht in Petersburger Hängung auf den 30 Quadratmetern der Galerie Kleeblatt 399 in Lohberg. 150 Zeichnungen, Mischtechniken und das ein oder andere Objekt, das aus dem Rahmen fällt. Im Wortsinn natürlich. Der Mann, der seine künstlerischen Spuren an den Wänden und weiße Schuhabdrücke vom Kreativ.Quartier bis zum Eingang auf den Fußgängerweg der Hünxer Straße malte, ist Alfred Grimm. Der im nahen Hünxe-Bruckhausen lebende und arbeitende Künstler hat sein Archiv durchstöbert und einen Querschnitt durch seine kleinformatigen Arbeiten zusammengestellt.

Aus dem Rahmen fallen, Formen sprengen. Durch die Verwendung von Fundstücken, durch die Brechung bekannter Themen. Grimm hat’s bei Beuys gelernt, der die Petersburger Hängung als Ausdruck von verschachtelter Ideenfülle ebenfalls pflegte. In der Galerie des Apothekers Werner Heuking bedeutet diese: Man kann die Wände wie überbordende Comics lesen, von Bild zu Bild Zusammenhängen, Entwicklungen oder überraschenden Kontrasten folgen. „Die größte Kunst, die ich bei Alfred Grimm entdeckt habe, ist sein Zeitmanagement“, wunderte sich Lale Aslanbenzer bei der Vernissage am Freitag angesichts der Fülle der Exponate, die nur ein Schlaglicht auf Grimms unermüdlichen Schaffen werfen.

Es ist die dritte Ausstellung, die Werner Heuking in Kooperation mit dem Forum Lohberg in dem benachbarten Ladenlokal zu seiner Apotheke ausgerichtet hat. „Ich bin kunstinteressiert, und nachdem die Bäckereien hier rein und raus gingen, habe ich mir gesagt, dann mach aus deiner privaten Neigung heraus eine Galerie“, so Heuking. Tatsächlich ist es ein weiterer Schritt, Lohberg spannend zu machen. Der Stadtteil sei selbst ein Kunstobjekt, lobt er Lohberg im Wandel, die Galerie – übrigens die einzige reine Kunstgalerie in Dinslaken – bildet ein Dreieck mit dem Kreativ.Quartier auf der Zeche gegenüber und dem nicht weit entfernten Kiosk 422.

40 Jahre Schaffenskraft ausgestellt

Vier bis sechs Ausstellungen plant Heuking pro Jahr. Seine Kriterien sind gesteckt: Wer im Kleeblatt seine Werke zeigen möchte, muss einen Abschluss von der Akademie vorweisen oder sich als Künstler so etabliert haben, dass er davon leben kann. Qualität als Ansporn, weitere Qualität nach Lohberg zu ziehen.

Alfred Grimm braucht schon lange nicht mehr nachzuweisen, dass er die strengen Qualitätskriterien erfüllt. Er bedenkt die Galerie mit dem „röhrenden Hirsch“. Wie im Comic sprengt das geschriebene „rööhrööhröhh“ des Plastikhirsches einen Schnörkelrahmen aus Goldiminitat, ein paar Objekte weiter ist der Hirsch mit einem Brunstschrei bei einer Hirschkuh erfolgreich gewesen. Dann sind wir schon mitten in der Phase der grimmigen Autounfälle: Achtung Wildwechsel! Der Hirsch hängt im Kühler. Mist. Ach ja, den hinterlässt ein Hirsch auf einem anderen Rahmen. Dazwischen Grimms Mädchen. Mal nachdenklich, mal verträumt, allein oder durch Übermalung auf dem Papier in Begleitung männlicher Models, die ihnen in der Wirklichkeit nie begegneten.

Vierzig Jahre Schaffen hängen an den Wänden. Darunter Grimms erste Lithographie aus Studientagen. „150 Arbeiten auf 30 qm“ ist ein „Zurück zu den Wurzeln“. Im Künstlerischen wie im Biographischen: Seine Tante Elfriede war Filialleiterin des Konsums (heute die Moschee), die Grimms lebten im ersten Stock, einen Steinwurf entfernt von Hausnummer 399.

Die Ausstellung in der Galerie Kleeblatt 399, Hünxer Straße 399, ist bis zum 16. Juli Mo.–Fr. von 9–18.30 und Sa. von 9–13 Uhr geöffnet.